Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

80

2. Kapitcl: Sturm und Drang : der Rachdruck.

Lage die vorthcilhaftcstc Erwartung eines inländischen Berlages sich kaumzu dein Absätze einer nicht starken Auflage erheben kann, so werdenBuchdruckcrey und Buchhandlung, und die mit diesen bcyden in Ansehendes Nutzens und der aufmunternden Bedingnissen enge verknüpfteSchriftstcllcrschaft, sich nie über eine gewisse Mittelmäßigkeit empor-schwingen, und solchergestalt ohne durch den sreygelassencn Nachdruckeinen wahren gegenwärtigen Nutzen zu genießen, wird noch die Verbesse-rung, die man wenigstens von der Zukunft bcy diesen Zweigen hofscnkönnte, auf immer aufgegeben." Der Vortrag schloß mit dem Gesuche,das Nachdrucksverbot auf den Nachdruck fremder Werke auszudehnen.Ein solches Gesetz wird die Verbreitung der Kenntnisse mehr, als Akade-mien und Gnadcngehaltc befördern."^

Der Vortrag der Studicnkoimnission that beim Kaiser keine Wir-kung und konnte sie Josephs Wesen zufolge auch nicht thun. Wie überNacht die Herrschaft der privilegierten Stände, die provinzielle Selb-ständigkeit gebrochen, die Centralisation der Verwaltung hergestellt seinsollte, so hatte er nicht die Geduld, zur Hebung der literarischen Zu-stände Österreichs mittelbare Wege einzuschlagen, die einen Erfolg erstnach Jahrzehnten in Aussicht stellten; um so weniger, als er für einediesbezügliche Bedeutung des Buchhandels, den er seinem eigenen Aus-drucke nach mit demKäsekram" auf eine Stufe stellte, kein Verständnisbesaß. Er sah hier den Mangel und dort den Überfluß und leitete dieStröme des Überflusses unmittelbar auf die Felder des Mangels; erwar der Mann derjenigen, die, Augenzeugen dieses Hcreinströmcns, dasWunder nicht genug beschreiben konnten, welche Bewegung der Geisterund Gemüter sich plötzlich über das dcutschrcdende Volk der österreichischenMonarchie verbreite, uud glaubten, es sei ein ähnlicher Segen im Geister-reich darauf erfolgt, wie im alten ägyptischen Lande, wenn der Nil zurrechten Zeit auf die Felder geleitet war." Die Studicnkommissionhatte am Schlüsse ihres Vortrags gesagt, das von ihr erbetene Gesetzwerde des Kaisers Majestätals den allgemeinen Schutzgott der Wissen-schaften verehren machen". Joseph, im engsten Bannkreise des littcrarisch-buchhändlerischen Mcrkantilsystemö verharrend, schrieb an den Rand:Um von Journalisten gepriesen und von Dichtern besungen zu werden,will ich mein Volk den? Eigennutz gewinnsüchtiger Buchhändler nichtlänger Preis geben." °"