Sonnenfels gegen den österreichischen Nachdruck.
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arbeit und Geistesarbeit, über die falsche Anwendung des Begriffs derKonkurrenz, sowie darüber sprach, daß, waS zwischen NationalbuchhändlcrnUnrecht sei, nach keinen Grundsätzen gegen Fremde zum Rechte werdenkönne. Aber Sonnenfels, der Mann, dessen Herz für die Würde derösterreichischen Litteratur schlug, und der Verfasser einer „Polizei-, Hand-lungs- und Finanzwissenschaft" (Wien 1765—1776), begnügte sich nichtmit dem Nachweis der „Unbilligkeit" des Nachdrucks, er legte dem Kaiserauch seine „Schädlichkeit" dar, nicht nur für die Gelehrsamkeit über-haupt, sondern für die inländischen Wissenschaften insbesondere und fürden Nationalbuchhandel. Die Erweiterung des Buchhandels, sagt er,hängt ab von dem Zutrauen, das man den Nationalbuchhändlern ent-gegenbringt — „Zutrauen, bevestigtes Zutrauen ist die Seele der Hand-lung" — und davon, daß er „baratiren", sogenannten Stichhandeltreiben kann. Der Nachdruck untergrübt das Zutrauen und macht auchdem rechtlichen erbländischen Buchhändler den Barathandel infolge derMenge der billiger!? Nachdrucke unmöglich. Dadurch werden die Bücherteurer, das Geld fließt aus dem Lande. Dazu ist zu erwägen, daß Öster-reich schon so wie so keine Bücher erzeugt, di« zur Abnahme reizen.Sonnenfels spricht den Tiefstand der österreichischen Litteratur in denschärfsten Worten aus. Die Wissenschaften stehen in Österreich nichtauf derselben Stufe wie im nördlichen Deutschland. Österreich liefertkeine „ansehnlichen Bcytrüge zur allgemeinen Lectüre". In Österreich geschriebene Werke, die auch für den Ausländer wichtig wären, sind eine„seltene Erscheinung". Nur aus Neugier wird ein und das andereabgenommen. Man hätte also allen Grund, dem fremden Buchhändlerden Tauschhandel zu ermöglichen, damit die Abnahme der minder-wertigen österreichischen Bücher wenigstens durch ihre Billigkeit unter-stützt würde. Mit der Pflege des Nachdrucks thut man das Gegenteil.Die Gelehrsamkeit, die Existenz eines nützlichen Schriftstcllerstandes istaber abhängig von der Existenz eines leistungsfähigen rechtlichen Buch-handels. Der Zustand des österreichischen Buchhandels wirkt dahin,dem Schriftsteller die Grundlage seines Unterhalts zu entziehen, ihnzu demoralisieren und zum elenden Mietling herabzudrücken. „Der-gestalt ist die Buchhandlung im Ansehen fremder Werke blos zu einemschädlichen Einfuhr-Handcl und in Ansehung der Nationalwerke auf denalleinigen inncrn Verkauf herabgesetzt. Und weil in dieser nachtheiligcn