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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Sturm und Drang : der Nachdruck.

30,8 Pf. und 1 Pfennig 2,» Pf. heutigen Geldwertes. Die Witten -bergcr Waschfrau bekam danach 1,s5 Mk., Jean Paul bezahlte für seinZimmer 23 Mk. Miete und für 45 Pf. Mittag, Schiller lebte kom-fortabel mit 3000 Mk. und rechnete auf sein Hauswesen mit dreiDienstboten 6000 Mk., eine Göttinger Profcssorcnfamilic von sechsKöpfen konnte standesgemäß nicht unter 4500 Mk. oder vielmehr unter5200 Mk. leben, und der Unterhalt des Studenten kostete 1850 Mk.

Mit der allgemeinen Preissteigerung stiegen natürlich auch diebuchgcwcrblichcn Herstellungskosten. Um 1740 kostete der Satz einesVogens durchschnittlich V, Rthlr. zu Ende des Jahrhunderts 1^bis 2 Rthlr. kleinem Format und wurde bei Mcdianoktcw auf

4 Rthlr. geschätzt."^ Um 1740 kostete der Druck eines Vogens in1000 Exemplaren durchschnittlich 10 gr."^; um 1780 schätzte man dieseKosten im allgemeinen auf 2 Rthlr., in Rechnungen am Ende des Jahr-hunderts sind sie mit 2^ Rthlr. angesetzt und ebenso wurden dieDruckkostcn von 500 Bogen Medianoktav geschätzt,"° Um 1740 rechneteman auf den Korrektor etwa 3 gr."^; Decker in Berlin zahlte seinemKorrektor in den 1780er Jahren je nach Format 5 bis 10 gr."^ Inden Papicrkostcn zeigen die Rechnungen eine gleiche Steigerung nicht;das mag daher rühren, daß, während auf der einen Seite ein früherunerhörter Luxus in Velin- und Schrcibpapicrausgaben getrieben wurde,das deutsche Buchgewerbe andrerseits seinem anspruchslosen Publikumgegenüber in der Güte des Papicrcs beliebig hcrabgehcn konnte. Daßeine Steigerung aber auch hier stattfand, wird deutlich durch den Um-stand beleuchtet, daß selbst die Hallcschc Bibclanstalt mit ihren humaucnGrundsätzen und ihrem Masscnabsutz wegen der hohen Papicrprcisc denPreis der Großoktav- und Duodezbibel im Jahre 1779 je um 1 Groschenund im Jahre 1789 abermals um denselben Satz erhöhen mußte.

Das waren alles Umstände, wie sie im allgemeinen überall in Be-tracht kamen, wenn auch die gesamte Lebenshaltung im Süden immer einegeringere Spannung und deshalb im ganzen ein günstigeres Preisniveauzeigte. Innerhalb des Rahmens der allgemeinen Preissteigerung aber wurdejetzt gerade über die Steigerung der Büchcrpreisc geklagt; und ein ein-ziger vergleichender Blick auf jene und diese Steigerung zeigt, daß dieletztere zu ersterer in der That außer Verhältnis stand. Das Nachdrucks-zeitalter war das Zeitalter der teuersten Bücherpreise. Nehmen wir als