Steigerung der Herstellungskosten u, Ansprüche. Organisation u. Wucherpreis, g?
durchschnittlichen Bogenprcis zu Ausgang des 18. Jahrhunderts einensolchen von 1^2 gr. an, so waren im allgemeinen die deutschen Bücherum 1740 halb so billig, um 1800 aber doppelt so teuer als heute. ^°Aber Bücherpreise verschiedener Zeiten und Örtlichkeiten vergleichen
— was für ein schwanker Boden! Andere Verleger jetzt, andere Autoren,ein anderer Geschmack! Wir werden uns noch eingehend mit der außer-ordentlichen Steigerung zu beschäftigen haben, die damals das Honorarerfuhr. Und wir werden auch davon noch hören: wie man begann in ganzandere Weise auf ein geschmackvolles Äußere der Bücher und Büchleinzu sehen. Wenn eine Cottasche Taschenausgabe von Schillers Werkenauf Velinpapier 222 Mk. in unserm Gelde (30 Rthlr.) kostete oder derLadenpreis der Werke Wielands bei Göschen 250 Thalcr betrug, eineSumme, die man sich kaum getraut in heutigen Geldwert umzuschreiben,obgleich der von uns angesetzte Multiplikator sicher noch zu niedrig ist
— wer will die vornehmen Luxusausgaben solcher Dichter mit denAusgaben von einem halben Jahrhundert vorher vergleichen? Wenn derVerleger, der Kaufmann ist und gewinnen will, es zu Ende des Jahr-hunderts wagen konnte, Almanache zu veranstalten, von denen der BallenHoltändischen Papiers 60 Thaler (fast 450 Mk.) kostete mußten solcheAusgaben nicht von einem wählerischen Zeitgeschmack gefordert werden?
Die Kosten des Honorars^, die Güte der Ausgabe, die Schönheitder Ausstattung^, das war es sogar in erster Linie, was die teurenOriginalprcisc hervorbrachte. Das sehen wir deutlich daran, daß derNachdruckshandel, der diese Posten aus seinem Konto strich, bei den altenbehaglichen Bogenpreisen — wie doppelt lieblich mußten sie nun er-scheinen! — von 1 bis 1,8 Kreuzer (3 bis 4 Pfennig) stehen bleibenkonnte. ^ ^d doch kommt noch eins hinzu, um den Preisunterschied be-greiflich zu machen und zu der ganzen Frage den rechten Standpunkt einzu-nehmen: der Einfluß der Organisation auf den Bücherpreis, wie ihn schonunser voriger Band auf das stärkste betont hat. Zwei miteinander Handin Hand gehende Dinge kommen hier in Betracht: der Unterschied zwischenTauschhandel und Geldhandel, und die Sonderung in einen BuchhandelNord- und Süddeutschlands . „In Rücksicht der Litteratur selbst ist dieBilance zwischen dem nördlichen und südlichen Deutschlande gleich", be-hauptet in den 1780er Jahren ein Münchener Buchhändler, „sie mußes also auch in Rücksicht des Buchhandels werden, und da man jenseits
Geschichte des Deutschen Buchhandels. III, 7