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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Sturm und Drang : dcr Nachdruck.

aus guten Gründen hiczu noch keine Lust hat, so muß diesseits zurErreichung des Equilibers der Nachdruck angewandt werden. Mehr alsandere gute Beweggründe, war es der Nutzen meines Vaterlandes, be-sonders der Jugend, die unerträgliche Gewinnsucht der Verleger, dasfruchtlose Begehren hinlänglicher Exemplaren gegen billige Bedingnisse,und das Bcyspicl beynahe aller Buchhandlungen in Deutschland , wasmich zum Nachdruck veranlaßte".^ Die Verbindung der beiden Be-schwerden wegen zu hoher Preise und zu harter Bezugsbedingungen findetsich durch alle diese Jahrzehnte und wird gegen Ende des Jahrhundertsauch gegen die in neuer Krast und Solidität erstehenden süddeutschenHandlungen angewandt. H. W. Volkhardt in Schwcinfnrt z. B. druckte laut einer dem Nachdruck (1801) vorausgeschickten Nachricht demStuttgarter Verleger Löfflnnd ein juristisches Handbuch von Danz nach,weil dcr eigennützige Mann aus Übermut und Stolz mit den DanzischcnWerken viele seiner Mitkollegcn hart und drückend behandelt und beider zweiten Auflage den überspannten Preis nicht gemindert habe. Aberdergleichen besondere Härten im Einzelfalle waren ja gar nicht erst nötig,um die Selbsthilfe des alten Buchhandels gegen die Büchcrvcrteuerungdes neuen notwendig erscheinen zu lassen; wir wissen es von Eckcbrechther. Auch eine Prager Broschüre aus den 1780er Jahren legt dar,wie das Bargeschäft die Ursache der herrschenden hohen Bücherprcisc sei.Von wie weit her der Sortimenter seine Bücher auch verschreibt, sagtsie: er verkauft sie zu demselben Preise wie sie am Verlagsorte gelten. Erhat 5 bis 7°/ Fracht und Mauth zu tragen; das vom Durchschnittsrabattvon 25 abgezogen, bleiben 18 bis 20 "/g Gewinn. Nun bleibt dervierte bis fünfte Teil der gekauften Bücher liegen, d. h. eben soviel wiejener Nabattgcwinn beträgt, und trotzdem müssen womöglich alle Neuig-keiten weiter beschafft und die guten alten Artikel ersetzt werden. Folglichmüßte der Sortimenter bei bloßem Bargeschäft untergehen; er brauchtunbedingt mindestens die Hälfte eigenen Tauschverlag.War nundie Prcisglcichheit nicht auch schon die Leitidee des Tauschhandels, hattenicht auch er mit den Fracht- und Mauthkostcn, dem Liegenbleiben undNachbezug dcr Bücher zu rechnen? Gewiß; aber die eigene Herstellungmachte das Tauschgut billiger, der Preis war verschwommener und bieg-samer, der Rabatt günstiger. Den Bücherpreis aber beurteilte die süd-deutsche Nachdruckerwclt noch vielfach nach der alten Tauschhandclsnorin