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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Organisation, Nachdruck und Bücherpreis.

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einer allgemeinen Gleichheit des Bogenpreises. Diese Beurteilung warnoch so sehr wirksam, daß Pütter ausdrücklich dagegen Stellung nehmenmußte^, und daß eine süddeutsche Zeitschrift vom Jahre 1788 ihren Ärgerdarüber ausläßt, daß die Buchhändler alle Bücher, sie möchten aussehenwie sie wollten, den elendesten Wust und das beste Buch, honoriert odernicht honoriert, im Preise über einen Kamm scheren wollten. Auchaus dem Munde von Buchhändlern haben wir hierüber ausdrücklicheZeugnisse. Nach Gädicke wäre in den 1760er Jahren von mehrerenVerlegern ein Groschen als Norm für den Verkaufspreis eines Druck-bogens angenommen worden. Eine solche Norm (die unserm heutigenDurchschnittspreise bereits mindestens gleichkommt) sei jetzt, sagt Gädickeim Jahre 1803, natürlich nicht mehr einzuhalten; der Papicrprcis seiz. B. um 30 bis 60"/, das Honorar um 50 bis 100"/« gestiegen, undvon einem Artikel werde, da die außerordentlich gesteigerte Bücherproduktionden Absatz des einzelnen Buches verringere, jetzt durchschnittlich nur nochhalb so viel wie ehemals abgesetzt. Der Ansatz eines Bogen-Normal-preiscs aber sei überhauptzu mechanisch" und den Verhältnissen durch-aus nicht mehr entsprechend. Der Preis sei so zu kalkulieren, daß beimittelmäßigem Absatz die Unkosten gedeckt würden; die Bücher sürs ge-meine Volk (Bibel, Gesangbuch, Katechismus, Schulbücher, Kalenderu. dcrgl.) müßten viel billiger sein und dürften nur drei Pfennige proDruckbogen kosten oder noch weniger; andere Bücher wieder, so wissen-schaftliche Werke, die höchstens von 100 Gelehrten gekauft werden müßten,müßten um so teurer sein.^ Die Abkehr vom Tauschhandel war dasErgebnis des freien Aufflugs gesteigerter Unternehmungskraft: des Auf-flugs freier Persönlichkeit, die eben so persönlich auch das Buch ansah.Hier derMonopolist",unsinnige" Honorare zahlend, mit ihnen die ge-suchtesten Autoren an sich fesselnd und ihre Werke in Ausgaben verkaufend,deren Preise uns nach ihren obern Grenzen hin heute wie teure Liebhaber-preise vorkommen; dort ein Verlagssortiment, das auf dem Boden ganzanderer Voraussetzungen stand. Die Organisation, in völliger Einheit mitden geistigen und politischen Bedingungen dieser Zustände wechselwirkendverwachsen, reifte und verschärfte diese Gegensätze und schien sie verewigenzu wollen. Zwei Sphären entstanden, die sich gegenseitig in ihrer Reichweitebeschränkten; der Norden wandte alle verfügbaren Mittel an, um sein Gebiet

gegen den Nachdruck zu sperren; seinen Versuchen aber, dem Nachdrucks-

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