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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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100 2. Kapitel: Sturm und Drang : der Nachdruck.

Handel in den NachdruckSgebict.cn selbst entgegenzuwirken, stand der Nach-druck und das ist ein letzter, aber nicht der unwichtigste Punkt, derin organisatorischer Hinsicht zn beachten ist mit der intensiven Klein-arbeit eines Vertriebes gegenüber, mit dem der reguläre Originalbuch-handel nicht konkurrieren konnte. Der Nachdrucker, der seine Nachdruckenicht zur Messe bringen und so nicht auf dem gewöhnlichen Wege insPublikum bringen konnte, er mußte Nebenwege aufsuchen. Und er fandsie bald. Er nahm Hausierer an, die Dörfer und kleine Städte durch-strichen; er suchte durch sie oder auf anderem Wege Landgcistliche, Schul-meister, Buchbinder und wen sonst noch in sein Interesse zu ziehen.Dies gelang ihm bekanntlich nur zu gut; und so drangen die Nach-drucke in wenigen Jahren bis in die entferntesten Winkel aller Pro-vinzen, wohin nie ein Buchhändler mit aller Mühe gekommen war undmit dem besten Willen nicht kommen konnte. Der wohlfeile Preiß,und die Auswahl der besten Bücher, lockten die Liebhaber herbey, undMancher, dem es sonst in seinem ganzen Leben nicht eingefallen seynwürde, ein Buch zu kaufen, schafte sich nach und nach eine kleine Samm-lung an. So wurden um ein geringes Geld mancherlei) gemcinnllz-lichc Kenntnisse erworben, und Fähigkeiten entwickelt, die vielleicht niegeweckt worden wären. So wurde der Geschmack im allgemeinen immermehr veredelt und selbst in denjenigen Ländern, wo man bis dahin nurgeglaubt aber nie geprüft hatte, ein Licht aufgesteckt, was nie wiedererlöschen wird. Mit einem Worte: so rückte die Nation im Ganzen inder Cultur weiter fort, und machte grössere und schnellere Fortschritte,was bis dahin nur zum Theil und fast unmerklich geschehen war."^°Es ist so in der That nicht zu leugnen, daß der vornehmere regu-läre Buchhandel Deutschlands der Aufgabe, die ein neues Zeitalter anihn stellte, im Hinblick auf große Massen und Räume nicht gerechtwurde, freilich, je stärker sich demgegenüber die Reaktion geltend machte,auch immer weniger gerecht werden konnte. Man legt die Bücher,schreibt darüber in den 1790er Jahren ein Schweizer Buchhändler, zwei-und dreimal auf, ohne sie billiger zu machen; man veranstaltet zu weniggeringere Ausgaben neben den teuren; man versendet auch die teurenzu wenig unter die Buchhändler, man läßt sich darum bitten, währendman bemüht sein sollte, eine Anzahl freiwillig in Kommission zu gebenund redliche Männer zu ersuchen, sich dafür einzusetzen.Arbeiten diese