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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Organisation, Nachdruck nnd Bücherpreis.

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Herren nicht selbst am Nachdruck, da sie sich so wenig um die Gewogen-heit Andrer bemühen?" Und er entwirst folgende Gesetze gegen dieDespotie, die Inhumanität und den Stolz der reinen Bar- und Ver-lagshändler: Gebot der Mäßigung; Verbot der Ausplünderung desPublikums; Gebot billiger Preise; Verbot erkaufter Recensionen undzu kostbarer Ausgaben; Gebot, mit den Büchernnicht so vornehm zuthun, daß man sie auch auf der Messe oft nicht erhalten kann undimmer in der demüthigsten Stellung darum bitten muß"; Verbot, ehr-lichen Leuten den Kredit zu versagen; Gebot, in alle Teile Deutsch-lands und der Schweiz hinlänglichen Vorrat zu senden; Verbot zukleiner Auflagen; Gebot, die Bücher franco in die Hauptstädte zurNiederlage zu senden und bekannte rechtschaffene Männer zu Depositärszu setzen, von denen das Publikum sie kaufen und die benachbartenBuchhandlungen sie beziehen können, ohne erst beschwerliche und un-gewisse Verschreibung aus Sachsen und Brandenburg nötig zu haben.Wenn diese Gesetze erlassen und durchgeführt würden, dann würde keinbraver Buchhändler den Nachdruck mehrprotestieren".^

Und man müßte sich aller Kenntnis der menschlichen Natur, wiesie im großen und verwickelten System menschlichen Wirkens, Zusammen-wirkens und Gegenwirkens thätig wird, entschlagen, um zu vergessen, wiealle diese Faktoren, Ursachen zu Wirkungen und Wirkungen zu neueuUrsachen heranreifend, in einer offen und geheim pulsierenden vielseitigstenWechselwirkung standen. Die Fäden, die wir nachträglich einzeln verfolgen,wie schießen sie in der Wirklichkeit aufs unentwirrbarste durcheinander!Grad um Grad wurden immer die Kräfte und Mächte der einen Weltvon denen der andern höhergepeitscht, und dabei wieder war die Notverschwistert mit der eigenen Spekulation. Gerechter Grund und Vor-wand, sie spielten ineinander. Den Nachdruckern waren die bitternBeschwerden, die sie gegen die Verleger erhoben, gar bald zu wertvollenZeugen der Gerechtigkeit geworden. Und auch der norddeutsche Mono-polist entnahm der Sachlage die Grundsätze zu geeigneter Behandlungdes ihm tributpflichtigen Publikums. Besonders die Ausstattung wurdezum Deckmantel unerhört hoher Preise benutzt. Reich soll einzelneBücher zum Bogenpreise von 4 bis 16 Groschen, d. h. dem Siebzehn-fachen des ehemaligen Bogenpreises von etwa 4 Pf., verkauft und ihnmit dein teuren Buchschmuck begründet haben:Nun heißt es: dem