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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Sturm und Drang : dcr Nachdruck.

Himmel sey es gedankt, ich stehe mit den allcrgrössestcn Gelehrten,Malern, Kupferstechern und Künstlern in Conncxion; dieses Werk kostetmich schwchres! schwehrcs! Geld u. s. f.""^ Bürger schreibt einmalbetreffs seiner Sämmtlichcn Gedichte: die Kupfer wären ihm selbst garnicht lieb, sie wären aber nötig gewesen, damitdie Leüte den Preisnicht überschlagen und berechnen könnten".

Die damaligen einfachen und billigen Ausgaben, die der Verlegerneben der teuern veranstaltete, waren häufig ebenfalls noch teuer genug;eine billige Ausgabe z. B. von Rammlers poetischen Werken zum Preisevon reichlich 50 Mk. (I^ Fricdrichsdor 7 Nthlr. 12 gr.) erscheintuns heute durchaus nicht billig. Mit den Nachdrucken freilich konntedie Originalausgabe normaler Weise so wie so in der Billigkeit nichtkonkurrieren. Übrigens hielt selbst die größte Billigkeit einer Schrift,die auf starken Absatz rechnen konnte, nicht vom Nachdruck ab, wieman an BeckersNoth- und Hülfsbüchlcin" (Gotha , 1787 fg.) sehenkonnte, dem billigsten Buche Deutschlands , von dem trotz der Beigabevon 49 Holzschnitten der enggcdrucktc Bogen großen Formats 1,? Pfennigkostete, und das trotzdem massenhaft nachgedruckt wurde; bereits imAugust 1789 lagen vier Nachdrucksausgaben vor (Wien, Grätz, Köln ,Augsburg), befanden sich zwei weitere im Druck (Offenbach, Mannheim )und war eine neue angekündigt (Weißenburg); alle diese Nachdruckekosteten mindestens doppelt so viel wie das Original.^ Daß die Nach-drucke teurer waren als die Originale, war überhaupt nicht so selten.^I. G. Müller erinnert überdies, daß der Nachdrucker, ganz abgesehen vondem häufig hingesudclten Druck und der Verstümmelung des Inhalts,das Publikum trotz scheinbar billigen Preises auf jeden Fall überteuere,denn da er kein Honorar zahle und kein Risiko habe, so daß bei ihmnichts Makulatur werde", gewiunc er sicher 200300"/,,, währendder Originalvcrlegcr oft nicht 40"/<, verdiene. Jedenfalls aber dürfenwir nicht vergessen, was auch die sogenannten billigen Nachdrucksprcisein jener guten alten Zeit in Wahrheit bedeuteten. Wir führen unsdas am besten vor Augen, wenn wir nicht Bogenprcisc vergleichen,sondern uns fragen, was das deutsche Volk für die gleichen Werke inden billigsten Ausgaben der freien Konkurrenz heute, des Nachdrucksdamals zu bezahlen hatte. Wir nehmen eins der zahlreichen Verzeich-nissewohlfeiler Bücher-Ausgaben" damaliger Zeit zur Hand; es ist