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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Ncichdrucksprcise. Günstige Wirkung des Nachdrucks

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ein solches der Kricgcrschcn Buchhandlung in Gießen und Marburg vomJahre 1796; und es ist dabei Wohl zu merken, daß die darin an-geführten Preise noch dazu Pränumerationsprcisc sind. In der Reclam -schen Univcrsalbibliothek kann man heute Gellerts Fabeln, GoethesEgmont, Höltys Gedichte, Schillers Fiesko, Kabale und Liebe oderDon Carlos für je 20 Pf. kaufen; damals zahlte der Pränumerantfür die Nachdrucksausgabe in heutigem Geldwerte fast 2 Mk. (Fabeln,Egmont), fast 3 Mk. (Hölty), 3,?o Mk. (Fiesko, Kabale und Liebe ) undfast 5 Mk. (Don Carlos ). Wiclcmds Obcron und Blumauers Äncide kostenbei Reclam je 40 Pf.; iu der Pränumeration auf die genannten Nach-drucke kosteten sie 3,?o Mk. und 7,« Mk. Bürgers Gedichte kosten beiReclam 60 Pf., Archenholtz' Geschichte des Siebenjährigen Krieges undKlopstocks Messias je 80 Pf.; die von Krieger angezeigten Ausgabenkosteten in Pränumeration 4,so Mk. (Bürgers Gedichte), 3,?» Mk. (Archen-holtz) und fast 10 Mk. (Messias)."«

Bestand aber nicht sogar eine für den rechtmäßigen Buchhandelselbst günstige und fruchtbare Wechselwirkung zwischen ihm und demNachdruck? Man hat nicht selten und schon zu Beginn des 18. Jahr-hnnderts^ in allzu einseitiger Weise von der Gefahr der Zeit-schrift für das Buch gesprochen. Liegt die Gefahr dieser Einseitigkeitnicht vielleicht auch hier nahe?Ohne den Nachdruck würde der Buch-handel noch lauge nicht das sehn, was er jetzt wirklich ist. Man müßtewahrlich mit Fleiß nicht sehen wollen, wenn man auch dieses läugncnwollte." Soviel tausend Menschen in den verborgensten Winkeln Teutsch-lands" haben nur dank der billigeren Nachdruckspreisc Bücher kaufeu undsich so ans Lesen gewöhnen können. Deshalb entstanden selbst in kleinenOrten Lescgcsellschaftcn. Mögen diese dem Buchhandel auch in mancherHinsicht geschadet haben; dies eine haben sie ihm genutzt:sie beför-derten ausserordentlich den Abgang der Nachrichten gelehrter Sachen undMonathschriftcn". So wuchs die Zahl der Monatschriften, Zeitungen,Wochenblätter, die Büchcrnachrichtcn enthielten. Sic wuchsen so stark,daß der Gelehrte, der nicht zurück bleiben will, jetzt fast nichts mehrthun kann als lesen". So wird das Publikum bekannt mit allem, wasin nnd außer der Messe erscheint, die Neugierde gereizt; man schafftmanches an. Aber bald genügen einem die Nachdrucke nicht mehr, dennsie umfassen nicht alles, sind nur Bruchstücke, enthalten vielleicht gerade