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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Autorcnstand".

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Sturm und Drang auch im Verhältnis der Welt der Autoren zu derder Buchhändler. Wir reden von dem Aufschwung der Litteratur. Nun,es waren Persönlichkeiten, die sich aufschwangen! Wie war es andersmöglich, als daß in ihnen ein ganz neues Bewußtsein der Macht desSchriftstellers erwachte, daß in ihnen der deutsche Schriftsteller fühlte,wie ihm die Fittige wuchsen, und daß er sie ausbreitete, um frei undfessellos die Lüfte zu durchschneiden? Das desto mehr, je mehr sie reineLittcratcn waren, je mehr sie, im Unterschiede zu ihren Borgängern,darauf angewiesen waren und angewiesen sein wollten, litterarische Pro-duktion als Grundlage ihres Daseins zu betrachten. In vergangenenZeiten endigten selbst ein Fischart und ein Grimmelshausen als Amt-leute, Opitz wurde Historiogravh, Fleming ging als Junker bei derOldenburgischcn Gesandtschaft nach Rußland und Pcrsien, Simon Dach lebte von einer Professur, Harsdörffer, Hofmannswaldau, Brockes warenvornehme Ratsherren; wer ohne Amt und Würden vom littcrarischenErwerbe sein Leben fristen wollte, selbst Zesen und Günther, fiel demElend und der Verachtung heim.' Die großen Führer des neuen Litte-raturzeitalters, Klopstock, Lessing, Wieland, stellten ihr Leben auf dieSpitze ihrer Feder. Das Neichsche Zeitalter konnte als erstes von einemwirklichenAutorenstand" undPoetcnstand" reden, wie Goethes SchwagerSchlosser im Jahre 1777 im Deutschen Museum that.

Die Großen maßen nach sich die Kleinen und die Kleinen sich selbstnach den Großen. Deutschland , über dessen Armut an fruchtbarenOriginalschriftstcllern noch Schiller am Ende des Jahrhunderts klagte,sollte jetzt auf einmal von vuchhändlcrisch ausgebeuteten Genies erfülltsein. Und wie der Buchhändler zum Nachdruck, so griff der Schriftstellerzum Selbstverlag, um sich der Ausbeutung des Verlegers zu entreißen.

Nachdruck und Selbstverlag wurzeln in psychischen Motiven, diebeide Erscheinungen schon längst auf die buchhandelsgcschichtliche Bühnegeführt hatten. Daß aber beide jetzt mit solcher Macht emporstiegen,daß daö ganze Neichsche Zeitalter durch sie ihr charakteristisches Geprägeerhielt, setzt eine letzte bestimmte und für beide gleichartige auslösendeBedingung voraus. Diese Bedingung ist der Aufschwung der deutschen Nationallitteratur. Der Aufschwung der deutscheu Natiouallittcraturtreibt den Ncttohandel empor; der Ncttohandcl treibt im Reiche derBuchhändler den antincttohändlcrischcn Nachdruck, im Reiche der Autoren