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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Reichs Antwort auf Klopstocks Subskriptionsplan. 145

sie unter Umständen furchten müssen, der Nachdrucke? werde bei andererGelegenheit ihnen selbst ähnlich zu schaden suchen. Mit viel größerer Hoff-nung auf Erfolg kann der Buchhandel den Nachdruck zu bekämpfensuchen. Wie, wenn er einedeutsche Buchhändlerrcpublik" gründete?Wenn von dieser Nachdrucke halb so billig hergestellt würden? Und dieRegierung diese Republik schützte? Die Hauptursache davon, daß keinebessern Honorare gezahlt werden können, ist der Nachdruck. Alle Wider-sprüche zwischen den Interessen und Forderungen der Gelehrten einerseits,der Buchhändler andrerseits würden sich lösen, wenn Gelehrte und Buch-händler beim Reichstag und sämtlichen Fürsten Deutschlands ein Gesetzgegen den Nachdruck bewirken würden. Dann könnten würdige Honoraregezahlt werden. Dazu müßte eben jeneBuchhändlerrepublik" Wirk-lichkeit werden. Und in der That: so zersplittert Deutschland politischistalle Buchhändler in allen Provinzen Deutschlands machen nureinen Körper, nur eine Republik aus, die im Grunde nur einerlei Ge-setze angenommen und diesen Gesetzen zu ihrer eigenen Erhaltung folgen,notwendig folgen müssen". Allein war es nicht eben der Buchhandel,der durch seiue geschäftlichen Gegensätze die Feuer des Nachdrucks schürte?Reich erwidert darauf, daß der Ncttohandel an dem Umsichgreifen desNachdrucks insofern unschuldig sei, als er und damit die an ihn sichanknüpfenden Interessengegensätze durch die allgemeinen Verhältnisseals ihre notwendige Folgcncrschcinung emporgctricben seien. Raubund Diebstahl aber bleiben solches unter allen Umständen und führen,wenn sie allgemein werden, zur Anarchie. Da aber eine lebendige Or-ganisation, ungeachtet aller einzelnen Kämpfe und Selbstschädigungcn,als ganze nie ihren Untergang will, sondern um ihre Existenz kämpft,und je gefährdeter sie ist, desto heißer kämpft: so ist die Existenz einesbuchhändlcrischen Berufsstandes die sicherste Bürgschaft für die endlicheUnterdrückung des Nachdrucks. Wissenschaft, Litteratur, überhaupt Kultureinerseits und Buchhandel andrerseits tragen, unterstützen, bedingen sichgegenseitig. Solange man also nicht mit dem Untergange der Kulturrechnet, muß auch der Buchhandel existieren; das letztere würde aberunmöglich, wenn der Nachdruck so wcitcrwächst, wie bisher: der Buch-handel, dem der Nachdruck noch viel näher geht als den Schriftstellern,muß den Nachdruck bekämpfen, und er muß früher oder später in diesemKampfe den Sieg behalten. Die weichmütige Hülle dieses bieder-

Geschichle des Deutschen Buchhandelt.. III. 10