Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144

3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

hinzu. Wie der Kaufmann seine Ware, so verkauft der Autor seinManuskript unter den Bedingungen, die durch den Markt gestelltwerden; gefallen sie ihm nicht, so zwingt ihn niemand sie anzunehmen.Allerdings gibt es Buchhändler, die unbillig niedrige Honorare zahlen.Dagegen wird aber umgekehrt dem Buchhändler selbst manches guteBuch zu Makulatur; der Buchhändler überhaupt ist nicht vom liebenGott dazu eingesetzt, um jedes einzelne Buch einzeln nach idealem Rechtewürdig zu belohnen; er hat mit vielen verschiedenen Büchern zu rechnen,deren Erfolg er im voraus nicht kennt. Was den auf Kosten der Ge-lehrten erworbenen Reichtum der Buchhändler betrifft, so sind es erstensverhältnismäßig wenige, zweitens aber alte Handlungen, deren Reichtumvielleicht auf eine Arbeit von Jahrhunderten zurückgeht. Ist weiter derBuchhandel notwendig? Er ist ein unumgängliches Werkzeug zur Ver-breitung von Kenntnissen, Geschmack und guten Sitten. Denn daß jederAutor selbst verlegt, druckt und verlaust, ist unmöglich; und der Lesermüßte dann bald nach Zürich, bald nach Hamburg, Berlin, Kopenhagen ,Paris, London u. s. w. schreiben und sein Geld (einem Unbekannten) ein-schicken. Wollte der Gelehrte Verkauf und Berechnung (wie es in derThat z. B. Basedow hielt) durch ein System von Kollckteurs, Kom-missionärs besorgen lassen, so würde es schwer sein, genug uneigen-nützige Leute dazu zu finden (auch Basedow sah sich nach andern um,die bezahlt werden sollten); werden sie gefunden, so sind sie nichts alsBuchhändler, und mag das selbst bestritten werden, so gibt es dannjedenfalls keine Sortimcnter und ausländischen Bücher. Und solltenwirklich nur nebenbei für jedes schwere ^und teuere gelehrte Werk sovielSubskriptionen aufgebracht werden können, daß dadurch nicht nur dieKosten der Herstellung, der Fracht, Ankündigung, sondern auch ein wür-diges Honorar für dieses einzelne Werk bloß durch dieses selbst undallein zusammenkommt? Beide Gesichtspunkte endlich, die der derzeitigenLeistungsfähigkeit und der Uncntbehrlichkeit überhaupt, vereinigen sich indem Gesichtspunkte des Nachdrucks, in dem der ganze Gedankengang gipfelt.Wie will der selbstverlegende Gelehrte ihm entgegentreten? Man antwortet:durch die Kraft unsrer Autorität; wir nennen den Nachdruckcr öffentlichdamit ist er gebrandmarkt, und niemand nimmt ihm seine Produkte ab.Aber das Publikum kauft das Billigste, und den Buchhändlern wird derAbbruch der Geschäftsbcziehungen mit Nachdruckcrn dadurch erschwert, daß