Drohende Haltung des Buchhandels.
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„Neid der Buchfiihrer" solches werde zu hindern suchen, und wenn estrotzdem gelingen sollte, so sei alle Mühe aufzuwenden, daß nicht „ausHaß und Eigennutz niemand es abzusetzen nehmen woltc, oder denen,die es verlangen, weiß gemacht würde: es frage niemand darnach, manbrauche es zu Mciculatur, und was dergleichen für böse Griffe mehrsind". Wir haben in der That Beispiele, daß der Buchhandel unlieb-same Selbstverleger regelrecht zu boykottieren versuchte.^ Waren dieseDinge bisher noch nicht brennend geworden: sie wurden es jetzt, undder Buchhandel, der seine großen Autoren mit Sammctpfoten anfaßte,so lange sie willig waren, zeigte die Krallen. Und zwar geschah dieseGegenaktion genau so offiziell, wie die Aktion durch Klopstock eingeleitetworden war. Dem Manne, den Goethe die Verkörperung des „Dichter-genies" nannte, trat der gegenüber, der nach Nicolai „immer der Diktatorder deutschen Buchhändler sein wollte", Philipp Erasmus Reich . Er thates wieder einmal anonym; mit guter Absicht unter der Maske eines Nicht-Leipzigers. Klopstock und seine Freunde, sagt Reich, beabsichtigen, die Vor-teile, die bisher die Buchhändler von den Gelehrten gehabt haben, selbst zugenießen: dagegen läßt sich nichts einwenden. Nur sei es für den recht-schaffenen Mann empfindlich, wenn wegen einiger Unbilliger und Un-gerechter, wie es sie in jedem Berufe gebe, der ganze Stand verdammtwerde. Um das genannte Ziel zu erreichen, fährt Reich fort, habenKlopstock und seine Freunde die Absicht, den berufsmäßigen Buchhandel ausder Welt verschwinden zu lassen. Auch dagegen läßt sich nichts einwenden,wenn nachgewiesen wird, nicht nur, daß der derzeitige deutsche Buchhandelleistungsunfühig, sondern auch, daß ein organisierter Berufshandel über-haupt überflüssig ist. Seine Leistungsfähigkeit bewährt der Buchhandelsowohl dem Konsumenten als dem Produzenten gegenüber. Der Buch-händler arbeitet tagtäglich mit Mühe, Sorge und Gefahr im Dienstedes Publikums; er unterhält zur Bequemlichkeit des Publikums auf eigeneKosten in- und ausländische Verbindungen. Er wagt durch Verlag undSortiment beständig sein Vermögen und seinen Kredit. „Das ganzeFeld der Buchhandlung zu bauen, erfordert mehr Einsicht, Kräfte, Fleißund Kenntnis der Welt, als beim Verlage einzelner Stücke, die seltenüber unsere Grenzen gehen, nötig ist und als sich diejenigen vorzustellenPflegen, die aus ihrer Studierstubc davon urteilen." Der Bücherpro-duzent bringt zu den vorigen Anforderungen die auf ein gutes Honorar