Ende der Gclehrtenrepublik. Göckingks und Bürgers Subskriptionsanstalt, 14g
Messias und der Oden. So hat die Frage nach dem litterarischen Er-folge des Buchs mit dem Kampfe zwischen Autoren und Buchhändlerneigentlich nichts zu thun. Um so weniger, als der Inhalt des Buchesdiesen Streit, wie man vielleicht erwarten konnte, gar nicht zum Gegen-stande hatte. Es war auch kein Messias; es waren auch keine Oden;sondern — eine Poetik! Und der unglaublich barocke, ja schrullenhafteRahmen einer Druidenrepublik, in der sie der verblüfften Welt nochdazu beschert wurde, machte die Enttäuschung vollständig. „Die Be-stürzung war allgemein", erzählt Goethe. Das Buch war dem Publikumein Buch mit sieben Siegeln, und man „verschenkte nun scherzend diethcucr erworbenen Exemplare". Der zweite Teil, der, ein Alphabetstark, auf Postpapier gedruckt und mit neuen Lettern gesetzt zum Preisevon 1 Thaler Hamburgischen Eourcmts am 1. Februar 1775 erscheinensollte, fand so wenig Subskribenten, daß er nie erschienen ist; in einer Ein-sendung des „Allgemeinen literarischen Anzeigers" vom 4. Februar 1797heißt es, daß auch der erste Teil nur noch in sehr wenigen Buchhand-lungen zu finden sei.
In dem oben angeführten Briefe vom 23. Juni 1773 schreibtKlopstock , er habe freilich bei der Subskription viel zu thun: „aber wennsie wird recht eingerichtet sein, d. h. wenn erst durch ganz Deutschland genugsam und in den Zeitungen angezeigte Eollecteurs vorhanden seinwerden, dann wird derjenige, welcher nach mir und auf meine Art wirdsubscribiren lassen, viel weniger zu thun haben." Bon einer solchenNachfolge ist kein einziger Fall bekannt; auch Klopstock selbst hat diesenWeg ein zweites Mal nicht beschritten.
Der große Versuch, den Buchhändler vor die Thür zu setzen undeine eigene buchhändlerische Republik der Gelehrten ins Leben zu rufen,hatte Schiffbruch gelitten, und sein einziger Erfolg war der, daß diebeliebte Pränumcrationsmünze im Kurs außerordentlich sank. Aber dieIdee des organisierten Selbstverlags hatte im schreibenden Deutschland viel zu tief Wurzel geschlagen, als daß sie selbst damit begraben gewesenwäre. In Ernst und Schimpf spielte die deutsche Schriftstcllerwelt mitihr weiter. So haben z. B. auch Gockingk und Bürger in der zweitenHälfte der siebziger Jahre eine „Subscriptionsanslalt" geplant.^ Siekam nicht zur Ausführung; schade um das schöne Signet: ein Greif,