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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Dessaucr Gelchrtenbuchhandlung: feindselige Haltung des Buchhandels. 161

doch einstweilen diese Windmüllcrei auf einige Zeit geschadet haben."Deshalb galt es, der Dessaucr Handlung nach Kräften entgegenzuarbeiten.Die erste Kundgebung des Buchhandels ging von Reich aus; in Gestalteiner jenerNachrichten" des Ostermeßkatalogs, die gleichsam seineThronreden darstellten. Er schildert an Preisherabsetzungen und Neu-auflagen, zu denen er durch den Nachdruck, an Makulierungen undNeubearbeitungen, zu denen er durch mangelnden Absatz gezwungenwurde, die Größe des buchhändlerischen Wagnisses, sprach, wie siebenJahre vorher Klopstock gegenüber, von der Unbilligkeit, wegen einzelnerräudiger Schafe den ganzen Buchhandel anzugreifen, betonte, daß derBuchhandel alles leiste, was er nach Lage der Dinge leisten könne:wirkönnten kürzlich Verstorbene und noch Lebende nennen, die in verschiedenenFällen das nicht einmal von uns annehmen wollten, was wir glaubten,ihnen schuldig zu sehn". Der Reichtum der Buchhändler läßt sich mitdem der Großkaufleute, namentlich der ausländischen, nicht vergleichen,im Durchschnitt haben sogar nur wenige deutsche Buchhändler ihr be-quemes Auskommen; gelangt aber ein Buchhändler unter beständigenWagnissen und Verlusten durch seinen Fleiß zu einem gewissen Wohl-stand: wird denn dem Kaufmann sein Wohlstand verübelt? Und ohnedaß der NameBuchhandlung der Gelehrten zu Dessau" nur ein einzigesmal fällt, verhängt Reich über sie mit kühlen Worten Acht und Banndes Buchhandels. Wer richtig urteilt, der weiß, daß alle Versuche,die manbloß aus Gewinnsucht jund andern leicht zu begreifenden Ab-sichten" wagt,mit der heutigen Verfassung im römischen Reiche"wir werden sogleich sehen, wie diese Drohung gemeint war und mitderSache selbst" nicht bestehen können, und sieht sienebst dem ver-nünftigen Teile der Buchhändler als Erscheinungen von kurzer Daueran, bei denen man nicht lange stehen bleibt, die Achseln zuckt, und amEnde darüber lacht. Doch ein jeder gehe seinen Weg; es ist nun einmaldas Schicksal der Menschen, daß sie durch eigne Erfahrung klug werdenmüssen. Diese Genugthuung erwartet ein jeder rechtschaffener Mannvon der Zeit".

Unter solchen Borzeichen bezog die Gelehrtenbuchhandlung, derenKommissionär an einen buchhändlerischen war nicht zu denken einMaterialwarcnhändler war, mit nicht weniger als 54 Verlagsartikeln(darunter solche von Ancillon, Bahrdt, Bernoulli, Bertuch, Chodowiecki ,

Geschichte des Deutschen Buchhandels. III, 11