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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Dessauer Gelehrtenbuchhandlung: Verbesserung der Geschäftsgrundsätze. IgZ

lich, als je cm Anfang sein mag". Man mußte versuchen, an Parti-kuliers Bücher abzusetzen.

Und doch ist es nicht die Jntcrcssenfeindschaft des Kaufmanns ge-wesen, die der Kommissionshandlung deutscher Schriftsteller verderblichwurde.

Reiche suchte sie zu überwinden. Angesichts desskandalösen Ab-satzes" beschloß er sein Programm, soweit es mit seinen Grundlinienvereinbar war, in sich selbst zu verbessern und dem Buchhandel Zugestünd-nisse zu machen. Als Hauptschwäche des Geschäfts wurde die zu geringeProvision bezeichnet; er erhöhte sie von 6^"/,, auf 8^z"/ und setztedafür den Rabatt auf 25"/ herab, während der Autor nach wie vorseine "/,, bezog. Er gab ferner die Beschränkung auf das Bar-geschüft auf und bewilligte dem Buchhandel, ebenso den Postämtern,Adreß-, Intelligenz- und Zcitungskontoren nicht nur halbjährigen Kredit,durch den die Buchhändler zugleich für die Verminderung des Rabattsum 2 "/a entschüdigt wurden, sondern führte zugleich für den Verkehr mitihnen denKommissionshandel " ein. Gelehrten und Künstlern wurdezwar ebenfalls Kredit, aber nur fester, kein Kommissionsbezug bewilligt;Reiche befürchtete, sie möchten unfrankiert und schlecht cmballiert zurück-senden. Indessen: es war von der Verfügung des Verfassers abhängig,ob seine Schrift dem Buchhandel nur gegen bar oder auf Kredit undin Kommission geliefert werden dürfe, und der Verfasser hatte im letzternFalle die dadurch entstehenden Verluste zu tragen. Reiche erklärte sichweiter bereit, die nachgedruckten Artikel jedes beliebigen Buchhändlers unterdenselben Bedingungen, die für diejenigen der Autoren der Gelehrtcn-buchhandlung galten, auf Kommission zu verkaufen. Andrerseits aberforderte er jetzt für den Fall, daß der Buchhandel auch durch diese Zu-geständnisse nicht bewogen würde, seine feindliche Haltung aufzugeben,die Schriftsteller aus, den Vertrieb selbst in die Hand zu nehmen unddafür die 25"/^, die jener verschmähte, sich selbst zu verdienen. Auchdie Entscheidung darüber, ob eine Schriftnur den Buchhändlern" odernicht den Buchhändlern" geliefert werden sollte, hing vom Verfasser ab.Endlich nahm Reiche jetzt die anfangs verpönte Pränumeration in seinenPlan auf. Freilich wird durch die Pränumeration der Gewinn amExemplar vermindert; und da der Anteil der Handlung nicht verringert

werden konnte, so mußte der Abzug an demjenigen des Autors geschehen.

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