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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Z. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.

Erhielt der Autor bei der Verlagskasse 55 so erhielt er nun bei derGelehrtenbuchhandlung, wenn er Pränumeration ausschrieb, bis zum Ab-lauf der Pränumerationsfrist 50 "/^, nachher aber wieder Vonden übrigen 50°/g entfielen, wie wir wissen, 8^/z "/<, auf die Handlung;der Rest wurde so verteilt, daß der Kolligent 25"/g, der Pränumerant1tZ2/z vom Ladenpreis erhielt. Vom Thaler gerechnet bekam also derAutor 12, die Handlung 2, der Pränumerant 4 gr., der Kolligent 6 gr.,während Kolligcnten sonst gewöhnlich etwa 2 gr. bezogen. Sendete derPränumerant unmittelbar an die Handlung, so erhielt er zu seinen Prä-numerationsprozenten auch die des Kolligenten. Merkantilische Müh-waltungen erwuchsen dem Verfasser auch hieraus nicht: es genügte dieentsprechende Anzeige an die Gelehrtenbuchhandlung. Er^hatte nicht dieMühe, Kolligenten zu suchen: sie standen in denBerichten" verzeichnet;er hatte keine Kosten für Anzeigen aufzuwenden: auch das besorgten dieBerichte".

So standen nun dem Schriftsteller drei Wege des Selbstverlags inDessau offen nach der Höhe des Wagnisses, das er auf sich nehmenkonnte oder wollte, geordnet: Kommissionsverlag bei der Gelehrtenbuch-handlung ohne Pränumeration, Kommissionsverlag bei der Gelehrten-buchhandlung mit Pränumeration, Verlag bei der Verlagskasse.

Endlich erreichte es Reiche mit Berufung auf sein Exklusivprivilegvom 18. Januar, daß im September 1781 die Verlagskasse sich ver-bindlich machte, ihren Verkehr mit dem Buchhandel ausschließlich durchdie Gelehrtenbuchhandlung zu bewirken. Sie behielt indessen auch weiterdas Recht, ihre Verlagsartikel selbst oder durch ihre Kommissionäre aufdem Subskriptions- und Pränumerationswegc abzusetzen, auch nach Ver-lauf der Fristen direkt ans Publikum zu verkaufen. Die Verteilungder der durch die Gelehrtenbuchhandlung vertriebenen Exem-

plare, jener "/g, die in der Verlagskasse für denHandel" bestimmtwaren, geschah auch hier so, daß 8^/z°/<, auf die Gelehrtenbuchhandlung,25°/y aus den Buchhändler oder Kommissionär entfielen.

Die Weiterentwickelung der Gelehrtenbuchhandlung schien zunächstdie allererfreulichste zu sein. Schon das 4. Stück derBerichte", vomJuli 1781, konnte 170 Beförderer aufzählen, die sich aus 22 Orte ver-teilten. Goethe, Herder, Wieland und sein Getreuer Bertuch , mit ihnenJagemann, der Privatbibliothekar der Herzogin Amalie, und Kraus, die