178 3. Kapitel: Sturm und Drang : der Selbstverlag.
bilden die eigentliche Union. Sie schließen sich, ohne von Union zureden, an ihren Wohnorten zu einer littcrarischen Gesellschaft zu-sammen und laden dazu alle Freunde der Lektüre und nützlichen Kennt-nisse (die gemeinen Brüder) ein. Die Lesegesellschaften halten das vonder Union veranstaltete allgemeine politisch-litterarische Jntelligenzblatt— das durch seine Güte und Vollständigkeit alle andern Zeitungen undJournale verdrängen wird und die Unionsschriften schnell und überallempfiehlt und verbreitet; der Sekretär der Lesegesellschaft verschreibt die„nach dem Zwecke der Union" gewählten, aber auch andere Bücher.„Wenn an dem Orte ein Buchhändler ist", erklärt der Plan mitSchonung, „der für die Union gewonnen und beeidet werden kann, soist es billig, diesen dazu zu nehmen, weil der Buchhandel nach und nacheingehen und in die Hände der Union fallen wird".
Die Union gedieh in den Jahren 1787 und besonders 1788 inaller Stille vortrefflich. Degenhard Pott — über ihn sogleich näheres —lagen mehrere hundert Briefe vor, von denen er eine reiche Zahl ver-öffentlicht hat. Zu den zahlreichen Mitgliedern, deren mit der Unionkorrespondierender Kern hauptsächlich aus Professoren, Juristen undGeistlichen bestand, gehörten unter andern Schlözer in Göttingen undEichhorn in Jena. Bertuch, der Weimarer Legationsrat und Kabinetts-sekretär, der in einer der Mitgliederlisten verzeichnet steht, hat mit derUnion nur korrespondiert und ist ihr schließlich nicht beigetreten.
Es ist selbstverständlich, daß unter den Mitgliedern selbst starkeBedenken gegen den Plan laut wurden. Sie betrafen besonders dasBuchhandlungsmonopol, und zwar in doppelter Hinsicht: einmal weil esundurchführbar erscheinen mußte, sodann indem es, durchgeführt gedacht,die krasseste geistige Bevormundung darstellte. „Der Gedanke, denganzen Buchhandel an uns zu bringen, ist an sich selbst zu groß undin Rücksicht auf Wahrheit, die ohne Preßfreiheit immer leidet, zu klein",schrieb der Kaiserliche Reichshofratsagent Gottfried von Pilgramm inWien. Von Schölten, ein höherer Militär in Stettin , der z. B. dendortigen Buchhändler Kaffka angeworben hatte, stellte Bahrdt vor, daß,wenn man selbst die Hälfte der Pressen, der Verleger und der Buchführervon ganz Deutschland in das Interesse der Union ziehen könnte, diesdoch nutzlos sein werde. „Können wir dadurch die Sündfluth andererSchriften hemmen? Bleiben nicht in allen Ländern Antipoden dieser