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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Die Umon und der Buchhandel. Bedenken der Mitglieder.

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Art genug übrig? Entziehen wir nicht dadurch unfern verbündetenBuchhändlern den Prosit, den sie auf jene Bücher verdienen könntenund bereichern dadurch unsere Widersacher?" Die Schriftsteller aber,so sagt Ritter in Wogau , die für den Aberglauben schrieben, würdendann so stark umworben sein, daß sie nur desto leichter Verleger findenwürden. Vielen war das Verdrängen der Buchhandlungen und Jour-nale, das Gewinnen der Postsekrctäre schon deshalb unsympathisch, weilsolche Mittel dem Adel und der moralischen Würde der Hauptaufgabewenig entsprach. Eine zur Verbreitung der Tugend und Wahrheit ver-brüderte Gesellschaft, schrieb Dr. Vichlers aus Straßburg , hat weit wich-tigere Sachen zu thun, als ein allgemeines Jntelligcnzblatt einzuführenund aus dem Buchhandel ein Monopol zu machen! Knigge hat sichaufs schärfste gegen die ganze Selbstverlagsidee und im besondern gegendie Pränumeration ausgesprochen. Dem Pränumerationswescn, das soviel Arbeit macht, geht jeder am liebsten aus dem Wege, sagt er; eshat seine Wirkungskraft verloren, gleichviel, ob die Aufforderung dazupersönlich oder durch Anzeigen in Zeitschriften ergeht. Gute Werkeempfehlen und vertreiben sich von selbst. Den ordentlichen Verlag abersollte man keineswegs ausmerzen;die Buchhändler honoriren die Ar-beiten berühmter Schriftsteller nicht so schlecht, als man es ihnen nach-saget".

Mit Buchhändlern", schrieb Knigge unterm 31. Juli 1788 ausHannover ,wird es schwer halten, sich zu vereinigen. Der Plan, denBuchhandel an uns zu ziehen, ist, dünkt mich, schon hinreichend, dieHerren Sosier abzuhalten, sich mit uns gegen ihre eigne Zunft zu ver-einigen." Und doch gehörte neben den obengenannten Briefadressatengerade ein Buchhändler zu den eifrigsten Mitgliedern. Freilich, wasfür einer. Es war der Groß- und Buchhändler Georg Philipp Wuchererin Wien . Wucherer war nicht der einzige Buchhändler wenn esauch nur sehr wenige sind, von denen wir es wissen, der an dieZukunft der Union glaubte, und nicht ungern glaubte; das letztere,weil sich ihr Geschäft nicht durch originalverlegerische Leistung und Fähig-keit auszeichnete und sie so dem spekulativen Gedanken sehr zugänglichwaren, daß sie als Unionsbuchhändler mehr zu gewinnen als zu ver-lieren hatten; namentlich, wenn sie sich das Monopol für einen möglichst

großen Bezirk sicherten. Sie dachten nicht so kollegialisch oder so ängst-

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