180
lich wie der Kommissionsrat Ettinger in Gotha , der beigetreten war,aber dann bemerkte: wenn er zum Schaden seiner Kollegen gewönne, somache er sich ein Gewissen daraus, und wenn die, welche Schaden er-litten, seinen Gewinn ahnten, so würden sie seine Feinde. Eine gegenNicolai gerichtete Schrift aus dem Jahre 1789, die Nicolai auf Grundseiner allgemeinen Aufklärungstendcnz mit der Union, mit der er durch-aus nichts zu thun hatte, in einen Topf wirft, nannte Wucherer den„großen Spediteur der deutschen Union"."" In der That hatte erEnde des Jahres 1788 schon 99 Rekruten — so liebte er sich auszu-drücken — angeworben und hat es dann noch auf III gebracht. Erverbreitete den Ruf der Union durch Ungarn, Siebenbürgen und Jllyrienund errichtete in diesen Landen Diöcesanschaften. Der Lohn blieb nichtaus. Bei Wucherer wurden die Drucksachen der Union gedruckt. Under war nicht nur Diöcesan der Gesellschaft in Wien , sondern in einemgedruckten Circular vom 12. Dezember 1788 konnte er den Unions-mitgliedcrn in den k. k. Staaten feierlich eröffnen, daß er durch Circulardes hohen Centrums zum „Haupt-Diöcesan der k. k. Staaten" ernanntworden sei; Wucherer zeichnete: „Georg Philipp Wucherer, Hauptdiöcesanoder Geschäftsträger der Union für die k. k. Staaten". Tief im ver-schwiegenen Busen trug er sich freilich mit noch viel hochflicgcndcrnGedanken. Er hatte die merkwürdige Idee, Univcrsal-Buchhändler derUnion und Verleger aller Unionsschriften zu werden.
Übrigens gehörte auch sein Bruder, Kammerrat in Halle, derUnion an. Auch die Namen wenigstens einiger Diöcesane im Reichelassen sich nachweisen. Diöcesan der Mainzer Diöcesanschaft war derKaiserl. Königl. Wirkliche Rat von Haupt, der Gothaer: Professor Voigt,der Heidelberger: Pfarrer Böhme; im Jahre 1788 ist in Mainz eineDiöcesanversammlung, im Jahre 1789 in Worms eine Provinzialsynodeabgehalten worden.
Der zweite Buchhändler, der mit der Union, und zwar mit Bahrdtpersönlich besonders eng verbunden war, war Degenhard Pott. Auf demWeinberge bei Halle, wo Pott, damals noch Teilhaber der WaltherischenHandlung in Leipzig , deren Inhaber er dann wurde, ihn häufig besuchte,wurde ein enges Freundschaftsbündnis geschlossen; sie nannten sich —Bahrdt war zwanzig Jahre älter — Vater und Sohn. Pott hatte dieAbsicht, Bahrdts Lebensgeschichte zu schreiben, und dazu vertraute ihm