Der Reichsbuchhandel über die Verdcrblichkeit des Leipziger Handels. 205
allgemeine Versammlung einzuberufen, in der über folgende fünf Punkteberaten werden sollte: erstens zur Abkürzung der Geschäfte einen allge-meinen Versammlungsort oder Börse zum Rechnen auszumachen; zweitensmit Ausnahme von Fortsetzungen und periodischen Schriften zurMichaelismesse fortan keine neuen Artikel drucken zu lassen, in Paketenzu versenden oder zu changieren; drittens einen gleichen Zahlungsfußfestzusetzen; viertens womöglich den Rabatt in Zcihlungsrechuung aufeinen egalen Fuß zu setzen; fünftens „alle Jahre eine allgemeine Ver-sammlung festzusetzen, wo ein jeder Vorschläge zum Besten und zumallgemeinen Interesse der Handlung schriftlich einreichen und darübereinstimmige Beschlüsse genommen werden könnten". Von der Abhaltungdieser Himmelfahrtsversammlung 1789 ist keine Spur vorhanden; sie istohne Zweifel nicht zu Stande gekommen. Dagegen trat zur Michaelis-messe 1788 eine andere Bewegung hervor, die, obwohl von einem kleinernKreise von Buchhändlern nach außen vertreten, doch außerordentlich be-deutungsvoll war. Es ist die Bewegung, welche die oben bezeichneteKonfrontierung der beiden Handlungsarten darstellt, jener beiden Sub-stanzen, die noch keine feste Verbindung eingegangen waren.
Wie sich im Bewußtsein der Reichsbuchhündlcr unmittelbar nachReichs Tode sdie Lage des deutschen Buchhandels, der Konflikt jenerInhalte und Formen darstellte, das ist in einer für die Geschichte desBuchhandels unschätzbaren Gründlichkeit und Ausführlichkeit dargelegt inden Aufsätzen eines Mitgliedes der Züricher Firma Orell, Geßner,Füßli Comp, aus dem Jahre 1788 und den folgenden Jahren, dessenNamen wir nicht kennen, und der sich anfangs mit der Chiffer H,dann mit H—r in Z unterzeichnete^, in der Nürnberger Schlußnahmevon Ostern 1788, auf die wir alsbald zurückkommen werden, und inden Aufsätzen von Heinrich Bensen im „Neuen Archiv", einer Buchhändler-zeitung, die Bensen, ursprünglich Jurist, zusammen mit dem ErlangcrBuchhändler Johann Jacob Palm herausgab, und von der nur der eineJahrgang 1795 erschienen ist.
Die „gute einfache Einrichtung" des Buchhandels, sagt Bensen, dienur Deutschland eigen war, war die folgende. Die in den weitenStaaten Deutschlands zerstreuten Buchhändler konzentrierten sich in Leip-zig und brachten hier alles zusammen, was von einem bis zum andernEnde Deutschlands gedruckt worden war, kauften, was sie von fremden