210 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.
Romane, Broschüren, Zeit- und Flugschriften an; so befördern sie denHang zu leichter Lektüre, zwingen die Buchhändler, sich an teuerneigenen Verlagsbüchern wieder schadlos zu halten, wenn er noch dasGlück hat, gute zu bekommen, die ihm nicht nachgedruckt werden, ver-wirren den Buchhandel und bringen ihn herunter — „stifteten miteinem Worte so viel Schaden, als vielleicht nie wieder ganz gut zumachen ist". Sie verschwinden an einem Orte, um an einem andernunter veränderter Firma wieder aufzutauchen und pflanzen ihre Hand-lungsweise in ihren Lehrlingen fort. „Dieses Schleudern in Preisenhat den Sortimenthandel zu Grunde gerichtet." Zu den halbregulärenGebräuchen gehörte die ausgebreitete Verwendung von Privatcollecteurcnauch bei der buchhändlerischen Pränumeration, zwischen diesen und denregulären Gebräuchen rangiert die leichte Versagung des Kredits, die indem regulären Geschäftswcsen liegenden Nachteile bestanden in dem Kurs-verlust, den die Reichsbuchhändler in Leipzig erlitten, und der Leipziger Fracht- und Portofreiheit.
So weite Kreise ziehen die verhängnisvollen Geschäftsgcbräuche desLeipziger Handels: — „nachtheilig für Litteratur und Handel, ist alsodiese Handlungsart in Leipzig , wegen des nicht eingeführten Remittirens";und es ist deutlich, daß es nicht bloß der Schaden dieses und jenesBuchhändlers ist, um was es sich hier handelt. Schon jetzt werdendeshalb Hunderte von Verlagsbüchcrn der Ncichsbuchhändlcr in Sachsen,Brandenburg u. s. w. nicht bekannt; umgekehrt kamen aber auch vielesächsische Bücher nicht ins Reich, oder doch nur in so geringer Anzahl,daß bei einer nur etwas häufigen Nachfrage die Bücher erst von Leipzig ,Berlin und Hamburg verschrieben werden mußten. Und welcher Segenkönnte doch von der Rcichsbuchhändlerart für die Litteratur ausgehen!Sie ist dem Verleger eine Warnung, schlechte Bücher zu drucken. Undim Reiche zeigte es sich schon jetzt, daß nun „in Nebenstädtcn, Männervon Kopf, die Fonds hatten, Buchhandlungen anlegen konnten. Sicwaren nicht mehr genöthigt, so viel Werke zu drucken, um alle neuenBücher zu haben; sondern sie druckten nur einige, versandten diese analle Buchhandlungen, konnten also damit schon viele Bücher ziehen, undda ihr Assortimcntsabsatz weit geringer, als in grossen Städten, sie folg-lich ehemals nicht alles aufs Lager legen konnten, so haben sie jetztdoch alle Bücher, welche die Reichsbuchhändlcr gedruckt, auf dem Lager,