Der Reichsbuchhandcl über die Verdcrblichkeir des Leipziger Handels. ZU
und sind nicht genöthigct, alle zu behalten. In der That ein ausser-ordentlich wichtiger Portheil für die Litteratur, aber auch für den ge-sammten deutschen Buchhandel, indem neue Bücher in Gegenden kommen,wo sie sonst aus Mangel an Buchläden nicht einmal bekannt wurden.Daß der Verleger guter Bücher hierbei offenbar gewinnt, braucht wohlkeiner Erörterung".
Man kann nicht sagen, daß man jede Konsequenz der nettohänd-lcrischen Entwicklung deshalb hinnehmen müsse, weil der Nettohandelechten kaufmännischen Grundsätzen gemäß sei. „Diese können bey unsin dem Maasse nie angewandt werden, wie sie bey Kauflcuten statt-finden; oder es müßte möglich seyn, unsere Waaren und Käufer denihrigen gleich zu formen, was doch wohl kein vernünftiger Mann be-haupten wird." Von den über dreitausend Novitäten, die jedes Jahrerscheinen, ist jede mit der andern unvergleichbar; für Hunderte davonfindet sich in dem Absatzkreisc des Sortimcnters vielleicht je ein einzigerLiebhaber; für Hundertc davon findet sich ein Käufer überhaupt nicht;beides kann der Sortimcnter nicht vorher wissen, der Käufer aber, derauch nur ein Buch, ja der keins kauft, will und muß vielleicht Dutzendeum Dutzende von Büchern vorher durchblättern. Das war bei demalten Tauschsystcm möglich und ist bei dem verbesserten Tauschsystcmdurch das Konditionssystem ermöglicht; der kaufmännische Charakter desLeipziger Ncttohandelö aber steuert mit vollen Segeln der englisch -fran-zösischen Gestaltung des Buchhandels zu. Schon jetzt ist Leipzig imBesitze einer Vormachtstellung, nach der im Grunde die Leipziger alleineigentlichen Aktivhandel, alle übrigen mehr Passivhandcl treiben; es stehtin der Macht der Leipziger , „dem Buchhandel diejenige Gestalt zu geben,ihn so zu leiten und sür sich selbst den ganzen Tauschhandel aufzuheben,als es ihr Interesse verlangt". Durch die Vorteile, die der Nettohandeldem einzelnen Buchhändler jetzt noch unmittelbar bietet, angelockt, durchdie Bedrängnisse, in die er den Sortimentsbuchhandel versetzt, vondiesem abgeschreckt, hat den Buchhändler auch außerhalb Leipzigs einewahre Wut erfaßt, Ncttohändler zu werden; seit kurzem sind mehr alszwanzig neue Ncttohandlungen entstanden; ja diese Wut scheint nunselbst Neichsbuchhüudler ergreifen zu wollen. Die Ncttohandlung er-scheint als eine Fabrik, die sich ohne Mühe und besondere buchhünd-lerische Vorbildung leiten lassen muß; damit trägt der Nettohandcl zur
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