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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Nürnberger Schlußnahme.

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Buchhändlerrabatts in Frage kommen, diese mußte in der Abschaffungdes Kundenrabatts und der Eindämmung der Schleudern bestehen; zugrößerm Entgegenkommen im Kredit-, Rechnungs-, Auslieserungs- undTransportwesen. Zeigte sich der Leipziger Handel zu einem solchen Ent-gegenkommen geneigt, dann konnte auch der Reichsbuchhandel von seinerSeite aus die nötigen Schritte thun, um eine erneute gegenseitige An-näherung zu befördern. Die Isolierung, durch die der Reichsbuchhandeldurch den Untergang der süddeutschen Messe und die Bezugsbedingungendes Leipziger Handels hineingetrieben wurde, beförderte den Nachdruck, undder Nachdruck wiederum erweiterte die Kluft zwischen Nord und Süd.Bensen wagte schon damals die Frage aufzuwerfen:Sind die für diemehrsten Buchhändler so ausserordentlich kostbare Messen, die bey der jetzigenVerfassung so viel Geld aus dem Lande schleppen, so durchaus nothwendig,daß keine andere Einrichtung, nicht bloß als möglich, sondern auch für alleTheile nüzlicher gedacht werden könnte?" Allein die allgemeine Meinungwar das damals noch nicht; sie erhielt erst ein Vierteljahrhundert späterBedeutung. Man mußte also zweitens, um den Reichsbuchhändlern dieAnschaffung der Originalausgaben sowohl mittelbar indem man damitdem Nachdruck entgegenwirkte als unmittelbar zu erleichtern, dernorddeutschen eine süddeutsche Messe zur Seite stellen. Aber nebender Verminderung der Meßkosten und der Bekämpfung des Nachdruckskamen noch andere Gründe in Betracht, die eine oberdeutsche Messe fürden Reichsbuchhandel erforderlich erscheinen lassen mußten. Das üppigemporgediehene Konditionswesen mit seiner Flut von Neuigkeitssendungenund starken Remissionen wurde schon damals im Reiche als drückendempfunden; die persönliche Auswahl auf dem Meßplatz mußte es ein-schränken. Man empfand weiter als lästig die jährliche Abrechnung,die mit jedem besonders von Hause aus abgeschlossen wurde, und zwarzu Neujahr, wo gewöhnlichgrössere und nöthigere" Geschäfte eintraten.Es war also nicht nur das altertümliche Bedürfnis des persönlichenTauschhandels, sondern zugleich das neuzeitliche eines gemeinsamen Ab-rechnungsplatzes, was im Reichsbuchhandel gerade mit der steigendenEntWickelung der neuzeitlichen Verkehrsform die Überzeugung wachrief,daß der Buchhandel des Meßplatzes nicht entbehren könne. Das führtsogleich weiter zu den übrigen eng damit zusammenhängenden Punkten.Mit der steigenden Zahl der Buchhändler wurde die Abrechnung in