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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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214 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.

Leipzig immer beschwerlicher und zeitraubender und damit der Aufenthaltin Leipzig kostspieliger; wenn man die Messeteilte", in eine nieder-und eine oberdeutsche, so wurde das Abrechnungswesen vereinfacht. End-lich nährte man gerade im Reiche noch eine Überzeugung: die von derÜberflüssigkeit und Nachteiligkeit der Leipziger Michaelismesse. Die ober-deutsche Messe mußte so gelegt werden, daß der Besuch der ober- undniederdeutschen Messe auf derselben Reise möglich war, die Michaelismessemußte gänzlich aushören dafür aber mußte um so dringender dieallgemeine Auslieferung zwischen den Messen gefordert werden. Undschließlich mußte man, zum dritten, den Norddeutschen unter der Vor-aussetzung der Verwirklichung der beiden ersten Generalpunkte die Ent-haltung vom Nachdruck zusichern.

Lehnten die Ncttohändler diese Vorschläge aber ab, so mußte man,um den weitern Zerfall des alten Buchhandels zu verhindern, die süd-deutsche Messe erst recht schaffen, nun aber alle die Erleichterungen, diedem ersten Borschlage nach durch Zugeständnisse der Norddeutschen erreichtwerden sollten, dadurch bewirken, daß man jede Verbindung mit ihnenabbrach und sich ihrer Originalausgaben durch den Nachdruck bemächtigte.

Das Schriftstück, in dem dieses Ultimatum gestellt wurde, nenntsichSchlußnahme"; die Schlußnehmer nennen sich eineInnung" vonSortimentsbuchhandlungen". Es sind neunzehn an der Zahl. Nichtweniger als zwölf davon sind aus Franken und Bayern , und davon wiederfünf aus Nürnberg ; neben ihnen stehen vor allem Palm, der Verlegerdes Neuen Archivs (Erlangen ), und Orell, Gcßner, Füßli Co., dieFirma Hr's (Zürich ); unter den übrigen befindet sich auch Cotta(Tübingen ). Die Schlußnahme wurde zu Michaelis 1788 an alle dieLeipziger Messe besuchenden Buchhändler teils auf der Messe verteilt,teils von Nürnberg aus versandt. Von Zürich ging die Anregung undgeistige Leitung aus, Nürnberg , im Mittelpunkte des reichsbuchhänd-lcrischen Gebietes gelegen und, wie wir sogleich sehen werden, zur neuenCentrale des Reichsbuchhandels auserkoren, war der Sitz der Verwal-tung; in Erlangen wurde ihr einige Jahre darauf imNeuen Archiv"ihr Organ geschaffen. Auch verfaßt ist die Schlußnahme zweifellos inZürich , von Hr; sie deckt sich mit seinen Aufsätzen nicht nur in denGrundgedanken, sondern auch in der Ausführung auf das genaueste,und zwar bis in kleine Züge hinein, so der bcsondern Feindseligkeit