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5. Kapitel: Der Büchermarkt.
Revolution jährlich 3 Millionen 800000 Nies Papier bedruckt wurden,also das siebcnundzwanzigfache.^ In geringerm Maßstäbe erlebte maneine ähnliche Steigerung in Deutschland . „Alle Jahre werdcu zwischen6 bis 7 tausend neue Bücher gedruckt", schrieb die Berner Zeitung 1799;„nebst dem schreiben über 20 tausend Menschen ums Brot. So etwashat keine Nation noch gesehen! "^
Vom Jahre 1721 bis zum Jahre 1763 eine Erhebung der Pro-duktionsziffer um 265 Artikel; zwischen den den gleichen Zeitraum ein-schließenden Jahren 1763 und 1805 eine Erhebuug um 2821 Artikel,mehr als das Zehnfache der Steigerung jenes erstern Zeitraums.
Dieses Wachstum hat auf die Zeitgenossen den stärksten Eindruck ge-macht und sie endlich mit wahrer Angst erfüllt. Gegen Ende des Reich-schen Zeitalters beginnen in Journalen, Büchern und Broschüren dieseStimmen des Staunens und der Sorge. Die Dessauer Gclehrtenbuch-handlung appellierte 1783 deshalb an ihre Autoren.« Im nach-reichschcn Zeitalter ist die Atteratur von Äußerungen darüber voll undübervoll/ Nach jedem neuen Mcßkatalog, nach jedem neuen Teile des„Gelehrten Teutschlands" ertönten sie in verstärkter Tonart; man kannin keinem Journalband die Bücherbcsprcchungen durchblättern, ohne immeruud immer wieder die Klagen und Seufzer über die Vielschreibern undden Verfall, der durch sie der deutschen Litteratur drohe, zu erblicken.
Die auf die Mcßkataloge begründeten statistischen Angaben sindvon uneingeschränkter Bedeutung nur für die Steigerung als solche,während die absolute Höhe der Bücherproduktion eine größere war. DieMeßkataloge verzeichnen für das Jahr 1780 2095 an deutschen Ortenerschienene deutsche Schriften, Nicolai aber schätzte in demselben Jahrenach einer aus Grund seiner „Handlungscorrcspondenz" angestellten Be-rechnung die Zahl der jährlich von Deutschen verfaßten „Bücher undTraktätchen" in deutscher Sprache (Disputationen, Programme und Ge-lcgenheitspredigten ungerechnet) aus 5000 Originale und Übersetzungen.Die Berichte der Gelehrten-Buchhandlung schätzten die Zahl der zu Ostern1783 in Deutschland crschicneucn Schriften (von dem großen Haufen derreligiösen Schriften der Katholiken abgesehen) auf 1600 bis 2000 Nummernund, die Auflage zu 1000 Exemplaren rechnend, gegen 2 Millionen Exem-plare. Von 5000 jährlich in Deutschland und der Schweiz erscheinendenSchriften sprechen auch Schätzungen aus den Jahren 1781 und 1791.