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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Wachstum der Produktion. Nielschreiberci. Statistik der Schriftsteller.

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DieVielschreiberei"! Wie viel ist nicht wieder über sie geschriebenworden! Man bemühte sich ihre Wurzeln aufzugraben. Man nannteerstens die Vermehrung dessogenannten gelehrten Standes"; zweitensDeutschlands Lage": die Zerrissenheit Deutschlands in viele einzelneLander und Lündchcn mit verschiedenen Regicrungsformen, Sitten undReligionen bewirkt starke Konkurrenz, Wetteifer der Universitäten, Schulenund Erziehungsanstalten, jede Gegend hat ihre eigenen Rechte und In-teressen, und dabei interessiert man sich doch überall für alles; drittensdie Wechselwirkung von Vielschreibcrci und Viellesern^

Zu Beginn der Sturm- und Drangzeit der Litteratur und desBuchhandels (1773) zählte Deutschland 3000 Schriftsteller, am Endedes Reichschen Zeitalters (1787) 6000.° Das waren natürlich nichtalle, sondern nur die öffentlich genannten deutschen Bücherschrciber, ebenso,wie die 3000 bis 3500 Artikel, die die Meßkatalogc der Jahre um1790 verzeichnen, kein genaues Bild ihrer Fruchtbarkeit geben: an einerAllgemeinen Deutschen Bibliothek " z. B., die dabei als eine Nummerzählt, arbeiteten ja die deutschen Schriftsteller nicht zu Dutzenden, sondernman kann fast sagen zu Hunderten, und welche Menge der Journaleund der großen Fortsetzungen zählte Deutschland ! Um das Jahr 1790kam in Deutschland auf rund 4000 Einwohner ein Schriftsteller. Weitüber diesem Durchschnitt stand Kursachsen; hier entfiel ein Schriftstellerbereits aus 2714 Einwohner. Nach Weiz 'Gelehrtem Sachsen" (1780)folgten sich der Zahl der Schriftsteller nach die sächsischen Kreise in derReihenfolge: Leipziger (157), Kur- (146), oberlausitzer (109), Meiß-nischer (45), crzgcbirgischcr (44), thüringischer (36), niederlausitzcr (27),voigtländischer (17), Naumburg-Zeitz (14), Merseburg , Hcnncbcrg, Schön-berg, ManSfeld , Neustädtischcr Kreis; und die schriftstcllerrcichsten Städtewaren Leipzig (133), Dresden (77), Wittenberg (33), Budissin (21),dann, mit 10 bis 12 Schriftstellern, Görlitz, Zittau, Meißen, Grimma ,Lanbau, Freibcrg; 14 Städte zählten vier bis ncuu, 9 Städte drei,18 Städte zwei, 160 Städte einen Schriftsteller; die Stadt Borna (unweit Leipzig ) figuriert mit 0 Schriftstellern. In den preußischenStnateu kam uach Knusch ein Schriftsteller auf je 5382 Einwohner.Freilich waren hier naturgemäß die Unterschiede sehr stark. In Minden ,Ravensberg, Lingcn, Tecklenburg kam ein Schriftsteller auf 14214, inPommern und Laucnburg auf 9893, in Ostpreußen auf 9400, in Ost-