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5. Kcipitcl: Der Büchenimrkt.
frieslcmd auf 9272 Einwohner, in Magdeburg und Mausscld dagegenschon auf 2060, in Halbcrstadt, der Grafschaft Hohenstein und demStifte Quedlinburg auf 2699, in den Kurbrandcnbnrgischen Ländernauf 2933 Einwohner. Bemerkenswert sind die Berechnungen, die Mcuselund Kcmsch für Schlesien anstellten. Mcusel zählt 190 schleiche Schrift-steller, darunter 12 katholische, sodaß aus 7842 Einwohner ein Schrift-steller kommt. Kausch fügte noch einige katholische Schriftsteller hinzu,sodaß ihre Zahl 17 beträgt und bei 800000 katholischen Schlcsicrn einSchriftsteller auf je 47005 Einwohner entfällt.
Die beiden relativ schriftstcllerreichstcn Städte von ganz Deutschland waren Göttingen und Leipzig. Göttingen zählte bei 8000 Einwohnern79, Leipzig bei 29000 Einwohnern 170 Schriftsteller; in Leipzig kamalso auf 170, in Güttingen auf 100 Einwohner ein Schriftsteller.
Vergleichen wir Berlin und Wien. Wien zählte um das Jahr 1790254000, Berlin 150000 Einwohner, die Einwohnerzahl verhielt sichalso wie 5 zu 3. In Wien existierten 304 Schriftsteller; bei gleichemVerhältnis hätte Berlin 180 zählen müssen; in der That lebten aberin Berlin 222 Schriftsteller. In Wien kam also ein Schriftsteller auf800, in Berlin auf 675 Einwohner. Dabei ist das Übergewicht Wiensüber die Gesamtmonarchie außerordentlich stark; von den 615 deutschenSchriftstellern der Gcsamtmouarchie — je einer auf 15000 Deutsche —kamen allein 354 auf das Erzherzogtum (Böhmen 127, Tirol 32,Ungarn und Siebenbürgen 29, Mähren 28, Steiermark 22), uud davonlebten nicht weniger als 304 in Wicn.^"
Die Zahl der Schriften und der Schriftsteller verdoppelte sich inden letzten drei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Was bedeutetedas für den Büchermarkt: für das literarische Bedürfnis und für denBuchhandel?
Mit der Vielschreibern war es die Viellesern, die „Lcscsncht" oder„Lesewuth", die die Zeitgenossen mit Staunen und bald mit wirklicherSorge erfüllte. Es erschienen besondere Broschüren darüber"; uudwie die Gclehrtenbuchhandlung in den ersten achtziger Jahren die Wasserder Vielschreibern aufzuhalten versuchte, so gingen in den ersten Jahrendes neuen Jahrhunderts litterarischc Blätter ernstlich zu Rate, wie derLesewut, zum wenigsten der mißleiteten Lesewut Einhalt zu thun sei.^Wicland sagte 1779: „Nie ist mehr geschrieben uud mehr gelesen