Leihbibliothek,
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der Monopoltrieb. Bezeichnend ist der Erfolg eines hierher gehörigenGesuches (1804) von Seiten des Oschatzer Buchdruckers Oldccop für seineseit dem Jahre 1796 bestehende Leihbibliothek, das der Oschatzer Rat mitdem Bemerken nach Dresden absandte: es sei vielmehr zu wünschen, „das;das hiesige, und benachbarte hohe Publicum aus dem Lande, bis zurniedrigsten Volks Claße, seine Berufs Arbeit und höhern Pflichten derLescsucht und dem Gcingcl Bande einer modernen und, größten TheilS,ganz zwecklosen, Zeit und Character verderblichen, Lcctüre nicht längeraufopfern möchte". Die Regierung wies Oldecops Gesuch ab.^ Da-gegen sind solche Gesuche gerade aus Gründen erleichterter Überwachungauch bewilligt worden, so z. B. in Ilmberg 1800, mit den Bedingungen:das Publiknm „nur mit nützlichen nnd belehrenden Büchern zu unter-halten" und „besonders bcy dem Ausleihen an die Jugend und Studentenvorsichtig zu Werte zu gehen".Und gerade in kleinen Städten wurdensie angebaut, sogar in solchen, wo es „etwa 10—12 Liebhaber derLektüre" gab.''" Die spekulativen Unternehmer, angelockt dadurch, daßeine solche Anstalt an Geist und Geldbeutel des Unternehmers keinegroßen Anforderungen stellte, waren großenteils Unzünftigc. Und derspekulative Buchhändler wußte die Gelegenheit auszunutzen. Der Buch-handel klagte auf das beweglichste über die Konkurrenz der Leihbiblio-theken, aber der Buchhändler schüttete hiuciu, was hineingehen wollte.Sommer in Leipzig stellte, um dem Übclstandc abzuhelfen, daß man anvielen Orten vier, fünf und mehr Meilen bis zur nächsten Leihbibliothekschicken müsse, kleine Leihbibliotheken von 330 und 504 Bänden zu-zusammcu und verkaufte sie — der Ladenpreis würde 253 und 407Rthlr. betragen haben — für 77 und 137 Tholer. Als Lescgeld war1 Groschen wöchentlich angenommen. In der verlockendsten Weise forderteer gerade die Unzünftigcn, über deren Büchcrhcmdcl er dann vielleichtin der nächsten Jnbilatcmcsse bei Richter oder Erckcl die Hände rang,zum Ankaufe auf. „Vermögende Leute können ein so unbedeutendesCapital durchaus uicht besser, als durch Anlegung einer so wohlfeilenLeihbibliothek, benutzen, nud Beamte, Schulcollcgcu, Occonomcn, Buch-binder und andere Personen, die dieses Geschäft als Nebensache betreibenoder es durch ihre Familie besorgen lassen können, werden bald finden,daß cS nicht allein Vergnügen macht, sondern, daß es sich auch sehr gut
vcrintcrcssirt." Iu kurzer Zeit waren Sommers Leihbibliotheken ver-
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