258 5. Kapitel: Der Büchermarkt.
gründet 1783; sie lieh die Bücher gegen Lcsegeld von wöchentlich 6 odermonatlich 20 kr., der Entleiher mußte aber außerdem eine Einlagein der Höhe des Wertes des betreffenden Buchs leisten. Zugleich rich-tete die Handlung „auf Verlangen einiger Zcituugs-Liebhaber" einenZcitungs-Lcsczirkcl ein; die umlcmfendcu Zeitungen waren „die Wiener,Erlaugcr, Hamburger, Franckfnrthcr Ristrctto und Brüuncr deutscheZeitungen."^ In Schwäbisch-Hall wurde die erste Leihbibliothek 1784vom Buchdrucker Nahnfcldcr errichtet, auf die dann, als sie eingegangenwar, im Jahre 1792 diejenige des Buchdruckers Schwaud folgtet" JuGießen gab die Kricgcrsche Buchhandlung 1785 einen Gratiskatalogihrer Leih- und Lescbibliothek heraus; 1791 hören wir dauu, daß erfür 4 kr. verkauft wurde; die Leihbibliothek bestand damals aus 1000Nummern oder 1500 Banden und erstreckte sich „bis aufs Wissen-schaftliche uud fremde Sprachen"; die Leihgebühr betrug für Einheimischetäglich 1 kr., wöchentlich 4 kr., jährlich 3 sl. 30 kr." In Solo-thurn wurde die erste Leihbibliothek im Jahre 1788 gegründet (vomBuchdrucker Gaßmann) ^, in Bamberg 1795 (vom Schrcibmaterialien-und Buchhändler Clemens Lachmüllcr), in Breslau um 1800.^ Be-deutende Buchhandlungen bauten ein solches Institut entweder zueiner wirklich großartigen Unternehmung aus, wie wir das iu Leipzig finden werden, oder befaßten sich überhaupt nicht damit, oder gabenes, wenn sie es angefangen hatten, bald ans. So gab im Jahre1791 die Mczlcrische Buchhandlung in Stuttgart die Leihbibliothek, diesie mehrere Jahre vorher veranstaltet hatte, wegen ihrer übrigen Ge-schäfte auf; an ihre Stelle trat diejenige des Buchdruckers Erhard^;und auch Crätz in München entledigte sich im Jahre 1784 sciucr Leih-bibliothek durch eine Bücherlottcric: ich hoffe, heißt es in ihrer An-kündigung, „die Lesefrennde werden sich dieser Gelegenheit bestens bedienenund nicht Ursache finden, mir ferner zuzumuthen, daß ich die Bücherzum Lesen auslcihcu oder noch einmal eine Lescbibliothek errichten soll"."Erütz sagte, seine Leihbibliothek habe sich durchaus nicht bezahlt gemacht.Trotzdem nehmen diese Anstalten außerordentlich überhand; in Hannover bestanden seit etwa 1790 vier „beträchtliche" Leihbibliotheken^, inDresden noch mehr; drei der Dresdener Leihbibliotheken hatten im Jahre1804 den Umfang von 8000 (Pochmann), 18000 (Schmidt) und 30000Bänden (Pinthcr).^ Übrigens zeigt sich anch im Leihbibliothckswcscn