Leihbibliothek.
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institut) dic eigentliche Domäne des Buchhandels. Die ältesten Spurenführen nach Berlin . Wir erinnern uns", daß hier Peseneckcr schonum die Wende des 18. Jahrhunderts eine Leihbibliothek errichtete; auchder französische Buchhändler Du Sarrat legte 1704 eine Leihbibliothek inBerlin an." Die nächsten Zeugnisse habcu wir freilich erst in der Mittedes 18. Jahrhunderts aufgefunden. Am Schlüsse des „VerzeichnissesNeuer Bucher" der Berliner Filiale des Höllischen Waisenhauses, Michaclis-mcsse 1749, steht die Bemerkung: „Auch kan man gegen Unterpfand histo-rische Bücher wöchentlich ä 1 Gr. znm Durchlesen bekommen". Ähnlichder LawloAUö Äes Uvies trsn^is von Fromery, Berlin 1751: dieBuchhandlung verlieh alle neuen Bücher, in der Stadt für 12 gr. monat-lich, auf dem Lande für das Doppelte. Das letztere sind allem Ver-muten nach Zeugnisse für schon längere Zeit bestehende Verhältnisse.Finden wir doch in den Cerisurprotokollcn des Züricher Staatsarchivs inden Jahren 1753/54 ganz gelegentlich die Notiz, daß die Buchbinder Bücherzum Lesen verliehen und auch geschriebene Leihkatalogc dazu führten."Wir können aber aus bcidcm entnehmen: erstens, daß die ältesten buch-händlerischen Büchervcrlcihungen noch nicht auf von dem übrigen Ge-schäfte des Buchhändlers rein abgezweigten Leihbibliotheken begründetgewesen, sondern als ein neues Mittel geschäftlicher Verwertung derLagervorräte entstanden zu sein scheinen, und zweitens, daß die Leih-bibliothek im eigentlichen Sinne zunächst besonders von den Buchbinderngepflegt wurde. Jenes steht ganz im Einklang mit einer natürlichenund allmählicheu EntWickelung dieser Einrichtung aus den allgemeinenGcschäftSvcrhältnissen heraus, dieses mit der in einer so uralten geschicht-lichen Vergangenheit wurzelnden Stellung des Buchbinders, der demkleinen Manne mit seinen bcschcidencrn Wünschen so besonders nahestand. In einer Stadt wie Leipzig galt dic Leihbibliothek zu Ende der1760er Jahre noch als etwas ganz Besonderes." In Brauuschweigwurde dic erste Leihbibliothek von der dortigen Waiscnhausbuchhandlung,Anfang 1767^, in Hanau , vom Buchhändler Schultz, im Jahre 1774gegründet (eine zweite gründete der Superintendent Stockhauscn 1777im lutherischen Waisenhaus)"; vielleicht ist die Leihbibliothek, dic Josephvon Criitz in demselben Jahre in München einrichtete, auch dort dieerste gewesen. Die erste Siebcnbürgischc Leihbibliothek war dic derGromcn-Barth ^ Gänselmayrischcn Buchhaudlung in Hermannstadt , ge-
Beschichtc des Dcntschon Bnchhandcl-5. IH. 17