Leihbibliothek,
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der Politik, Weltkunde und ernsten Unterhaltung; sie wurde überwiegendvom männlichen Geschlecht benutzt und zwar von den höhern Klassen;mit ihr verbunden war der oben erwähnte „Lesekreis". Weit verbreitetaber waren die Klagen über den schädlichen Einfluß der Leihbibliotheken,der „moralischen Giftbuden", wie sie einmal (1793) in der GothaischenGelehrten-Zeitung genannt werden. Hier eine Anzeige^ als Beispiel:„In allen angesehenen Lesebibliotheken findet man nachstehendeäußerst unterhaltende Schriften:Cölestinens Strumpfbänder. 3. Aufl. 8°. 10 gr.Corona , Der Geistcrbchcrrschcr. 8". 18 gr.
Der Geist meines Mädchens; ihre Erscheinung und meine Hochzeitfeher.8«. 8 gr.
Geisterbibliothck, 1. Bd.: Die schrecklichen Gemächer, Geistergeschichte.
8». 1 Thlr. 4 gr.Kunigunde oder Die Räuberhöhle im Tannenwald. 8". 10 gr.Lisara, Die Amazone von Habyssinicn. Ein romantisches Gemälde. 8".
20 gr.
Sagen aus der Geister- und Zauberwelt, neue Aufl. 8°. 16 gr.Der Selbstmörder, eine Schauder- und Wundcrgcschichte. 8". 1 Thlr. 4 gr.Zauberstrciche, eine komische Geschichte. 8". 14 gr.Der Alte im Walde oder Die unterirdische Wohnung. 8». 20 gr.Wuudcrbare Begebenheiten eines Engländers in Amerika . 8". I THlr. 16 gr.Kreuzhicbe und kurzweilige Anekdoten zur Erschütterung des Zwcrgfells,
von G. E. Cramcr. 8". 8 gr."Und das waren noch keineswegs die Schriften der schlimmsten Sorte,noch nicht die Bücher vom Schlage der „Auguste, oder Geständniße einerBraut vor ihrer Trauung, vom Frcyherrn von Dankelmann. Weißen-fels bey Böse. 1804", „Gustchcns Geschichte, oder, eben so muß eskommen, um Jungfer zu bleiben. Ein Seitcnstück zu Hannchens Hin-und Herzügcn von C. Althiug. Stmnbul u. Avignon . 1805", DieKantharidcu, Grccourts Gedichte, Lindaminc oder die beste Welt, Dasgalante Sachsen und die übrigen meist mit den entsprechenden Kupfernversehenen „heimlichen Bücher", die alle zu den gesuchtesten Delikatessender Leihbibliotheken gewöhnlichen Schlages gehörten.^ Und um die Ver-breitung dieser Littcratur gerade iu diesem Zusammenhange ganz zu er-messen, müssen wir nn eine weitere Seite des Lcihbibliothekswesens