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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt,

denken: an den umherziehenden Büchcrvcrtcihcr, der sein Wesen in denkleinen Städten nnd auf dem Lande trieb, von Haus zu Hause ging,anstößige Schriften anbot und aufdrang. Die derbste und verlockendsteLittcratur iu der Hand des Hausierers, der sie für wenige Pfennigeoder Kreuzer verlieh: welche Aussicht auf Erfolg! Es ist begreiflich,daß die Regierungen gerade dagegen mit besonderer Schärfe vorzugehensuchten/" Die Lescgebühren aus dem Jahre 1802 keimen wirz. B. von dem Frankfurter neuen tcutschen und französischen Lese-Institutdes Buchhändlers Joh. Dan. Simon. Der Abonnent zahlte jährlich: fürfranzösische Bücher allein 9 fl. 36 kr., für deutsche Bücher allein 5 sl.24 kr., für beide zugleich 7 sl. 20 kr. Dafür konnte er sich täglichzwei Bände wählen. Werte die aus zwei aber nicht mehrTeilen bestanden, waren in einen Band zusammengebunden. Nichtabon-ncntcn zahlten die ersten drei Tage 4 kr., für jeden wettern Tag 1 kr."

Von den durchschnittlichen Leihbibliotheken hcbeu sich schars ab diebedeutenden und bedeutendsten derjenigen buchhändlcrischen Veranstal-tungen, die Leihbibliothek und Lcscinstitut vereinigten. Wilhelm Fleischerin Frankfurt a. M. lebte und webte in dein Gedanken, das Publikum,anstatt es bloß mit Ansichtssendungen heimzusuchen, zu sich heranzuziehenund ihm den Sortimcntsladen zur littcrarischen Heimstätte zu machen.Er richtete (1795) besondere Räumlichkeiten ein, in denen stets alleNeuerscheinungen Deutschlands und eine Auswahl derjenigen des Aus-lands, die vorzüglichsten deutschen Zeitschriften nnd Journale, Nach-schlagewerke u. s. w. ausgelegt waren, und zu denen man für einenjährlichen Abonnementspreis von l^ Carolin (6 Laubthaleru) von früh9 bis mittags 1 Uhr und von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr Zutritthatte. Wer ein Buch mit nach Hause nahm, bezahlte 2 Kreuzer proTag und Baud/2 Ähnliche Einrichtungen sind in den letzten Jahr-zehnten des 18. Jahrhunderts mehrfach entstanden; auch Trattner z. B.hatte seinLektür-Cabinctt". Bei Metzler in Stuttgart (1780er Jahre)war der Jahresbeitrag ebenfalls 10 Gulden (^ 6 Rthlr. 16 gr.), in-dessen waren die Räume nur viermal wöchentlich geöffnet.^ Als diebeste und großartigste Anstalt dieser Art in ganz Deutschland galt dasMuseum" des Buchhändlers Beygcmg in Leipzig. ^ Man rühmte diereinlichen Zimmer, in denen sich auch eine vortreffliche Sammlung vonKuustsacheu befand, und die prompte Bedienung. Im Jahre 1795 zur