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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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S.Kapitel: Dcr Büchermarkt.

tischen Kataloge verzeichnete» Ordnung aufgestellt, wurde im alphabetischenKatalog jedem Verfasser ein Blatt für sich gegeben, sodaß seine Dauernahezu unbegrenzt wurde. Erst 1736.37 gegründet, zählte sie 1787bereits 120000 Bände und wurde allgemein als diegemeinnützigsteund am meisten benutzte Bibliothek auf der Welt" gerühmt. Aber:die Ausnahme bestätigt die Regel. Gewiß, auch andere Bibliotheken,fürstliche, akademische und städtische, wuchsen mehr und mehr an; aberdas Bezeichnende ist, daß die Vermehrung noch fast ausschließlich durchaußerordentliche Schenkungen und Anläufe von Privatbibliotheken erfolgte.Wir dürfen freilich dabei nicht vergessen, daß es damals noch ganzandere und viel zahlreichere Privatbibliothclen gab als heute, und welcherStoff z. B. besonders den süddeutschen weltlichen Bibliotheken aus denseit den siebziger Jahren aufgchobeucu Klöstern zuströmte. Grundsätzlichaber war doch dabei das Bibliothekswesen dem Zufall, dcr Laune, dcrpersönlichen Mcinung überlassen. Und ferner war damit zusammen-hängend die Benutzungsfreiheit eine mit der heutigen durchaus uoch nichtvergleichbare, und es läßt sich nachweisen, daß dieser Unterschied durchden geschichtlichen Unterschied der Zeiten nicht völlig ausgeglichen wird,sondern daß die Bibliotheken in dieser Hinsicht den Anforderungen ihrereigenen Zeit nicht entsprachen. Die herzogliche Bibliothek in Gotha z. B.war bis in die 1740er Jahre dem Publikum täglich fünf Stunden ge-öffnet; da trat 1746 ein Wechsel in der Person des Direktors ein; erschränkte die Öffnung auf drei Tage mit je zwei Stunden ein uud konntebald der Regierung befriedigt mcldeu, daß demvormaligcu übermäßigenZulaufe bestmöglichst gesteuert wordeu", und in der Bibliotheksoronung(1774) dieses Musterbibliothetars heißt es:Wer ein Buch näher an-sehen will, muß es sich vom Bibliothekar ausbittcu, der es ihm dannvorzeigen, allenfalls auch darin zu lesen »erstatten wird". An dcrKöniglichen Bibliothck in Berlin waren unter dem Soldatcnkönig dieGehälter gestrichen und kein Buch gekauft worden; auch in den erstenJahrzehnten dcr Regierung Friedrichs des Großen ruhte der Büchcrkcmfvollständig; dann überschüttet sie dcr König mit Geld, zuletzt mit8000 Thalern Jahr für Jahr, und ihr Bestand stieg von 1770 bis1786 vou 72000 auf 150000 Bäude. Die Verleihung war seit dcnJahren 1710/11 auf die Wirklichen Geheimen Näthc und Mitgliederder Societät dcr Wisscnschaftcu beschränkt; jeder andere hatte die Er-