Die öffentlichen Bibliotheken.
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lcmlmis dcS Kurators, d. h. eines StacitSministcrs nachzusuchen, wozu1758 noch dic Bedingung trat, daß zuvor für dic verlangten Bücheranöreichcndc Sicherheit zn stellen sei; wurden die Bücher nicht binnenvierzehn Tagen zurückgclicfert, so war dic Erlaubnis für immer verwirkt;1783 beseitigte Friedrich die Verleihung ganz und ließ dafür die „Lese-Cammer" — in der je acht Tische, Stühle, Tinten- und Sandfässcrstanden — im Sommer 13 Stunden (von früh sechs Uhr an), imWinter 9 Stunden (von früh acht Uhr an) öffnen; 1786 wurde aufBetreiben der Akademie der Wissenschaften die Verleihung wieder ge-stattet; 1790 wurde sie von neuem auf die Prinzen des KöniglichenHanfes, die Staatsminister und Generäle beschränkt und dic bisher täg-liche Öffnung auf drei Tage in der Woche herabgesetzt. Zu Anfangdes 18. Jahrhunderts hatte die Bibliothek vier bis fünf, unter Friedrichdem Großen zwei, zu Ende des Jahrhunderts drei Bibliothekare. DieBibliothek der besuchtesten Universität des 18. Jahrhunderts, Halles,war 1768 in drei Zimmern der Städtischen Wage untergebracht undzweimal wöchentlich auf zwei Stunden geöffnet; ihre Jahrcscinnahmebetrug 70 bis 80 Thalcr. In Leipzig scheint selbst die 1711 einge-führte bescheidene Zugäuglichkeit von wöchentlich zweimal zwei Stundennicht unantastbar gewesen zu sein: im Jahre 1778 führte ein Studentin öffentlichem Anschlag Klage über den Bibliothekar, der die Bibliothekkaum einmal für eine Stunde öffne; von einer planmäßigen Vermehrung,ja von einer Verwaltung überhaupt ist kaum die Rede. In Marburg hielt der Bibliothekar die Bibliothek aus Rücksicht auf sciuc Gesundheitzehn Jahre lang im Winter geschlossen. Hirsching sagt (1786) allge-mein, es gebe genug Bibliotheken, dic zwar öffentliche hießen, aberJahrelang nicht geöffnet würden und selbst den Litterntcn derselben Stadtnoch unbekannt seien. Von den vier Licgnitzcr öffentlichen Bibliothekenheißt es erst im Jahre 1806, daß sie, bisher unzugänglich wie ver-schlossene Heiligtümer, seit einiger Zeit beträchtlich vermehrt und nunendlich geöffnet worden seien, indessen seien sie noch ganz unzulänglich,weil sie über keinen regelmäßigen Fond zn verfügen hätten/' Goethe berichtet, wie in Jena die Bücher „flötzartig in dem ungünstigsten Localebei der widerwärtigsten, großcnthcils zufälligen Einrichtung über- undnebeneinander gelagert standen. Wie und wo man ein Buch findensollte, war beinahe ein ausschließliches Gchcimniß mehr des Bibliothek-