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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Kalender-Reform. Jahrmarktslitteratur, Volksbücher.

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des Züricher Kalenders nimmt in acht Punkten eine sehr ausführlicheLglencker-^nawuiis" vor, d. h. zerpflückt den ganzen Kalenderaber-glauben mit seinen Läßcrtafeln (Aderlaßregeln), Nativitätsfatalien (Be-stimmung des Schicksals Neugeborener aus der Konstellation der Ge-stirne) u. s. w. Im folgenden Jahre wurde beschlossen, daß dieNativitätsfatalien künftig auszulassen seien, fernernicht Alles mittraurigen Unglücksfällen, schröcklichen Mord und Diebs Streichen" undalten fabelhaften Geschichten und a. dergl. schlechten Zeug" angefülltwerde, sondernangenehme Begcgnisse, erbauliche Anmerkungen, reich-haltigere und sonderlich zum Nutzen der Landlcute abzielende Nachrichtenvon pd^sielü. und okeonom. Odsörvat-ion angebracht würden". Ähnlichin Sachsen ein Befehl vom 20. August 1788"°, der vorschreibt, stattunnützer, abergläubischer und schädlicher Erzählungen gute wirtschaftlicheErfahrungen und Anleitungen in die Kalender aufzunehmen. Freilich,allgemein durchgreifend waren alle diese Versuche nicht.Bekanntlichsind fast alle Canäle, wodurch dem gemeinen Bürger und Landmanneine vernünftige Aufklärung zugeführt werden könnte, noch immer mitSchlamm angefüllt; man erinnere sich nur an ein Beispiel, an dasKalenderwcsen", sagt 1795 der Kgl. Kurf. Ln-uss ä'^üairss Joachimvon Schwarzkopf . ^

Und daneben fanden die Bauern und Bäuerinnen, die Lehrburschen,Soldaten u. s. w. in den Schüsseln, in denen ihnen ihre Geistesspeiseaufgetragen wurde: auf den Tischen der Jahrmarktströdler, Wcrkchendes Aberglaubens, großenteils vor Jahrhunderten, in Mönchszellen ausge-brütet, Ritter-, Hexen- und Wundcrhistörchcn, verwogcne Reimereien.Das waren die Schriften, die dem Geldbeutel und dem Geschmack dieserLeser angepaßt waren, die von Hütte zu Hütte wanderten, und mitdenen sich besonders das junge Volk beiderlei Geschlechts die langenWinterabende verkürzte. Aber auch lauteres Gold fand sich unterdiesem Sande: die altenVolksbücher" im engern Sinne, mit derenVerlag sich mancher kleinere Buchhändler noch immer fast ausschließlichbeschäftigte; auch dieGelehrten-Verstaigcrung" von 1781 stellt einensolchen auf die Bühne: einen Hcrsfelder Buchhändler- die übrigensehen mitleidig auf seinen erbärmlichen Zustand herab, der nur ge-hörnte Siegfriede und schöne Magelloncn druckt. ^

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