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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5, Kapitel: Dcr Büchermarkt.

Der Buchhandel gleicht darin ganz dem Handel dcr Kauflcute undKrämer, daß er sich Waren verschafft, die Nachfrage haben; nun sindaber erstens Bücher immer nurfür den wenigsten Theil dcr Menscheneine nothwcndigc Sache"; zweitens werden Bücher nicht verzehrt; drittensmuß der Kaufmann den Wert seiner Waren kennen, die Waren desBuchhändlers aber sind Meinungen und Gedanken,die sich nach keinenordentlichen Marktpreis) bestimmen lassen. . . Öfters hat ein Buchseine Aufnahme gewissen Ncbenumständen zu danken, die ein Menschunmöglich alle voraus sehen kann. . . Die ganz uneingeschränkte Frei-heit Bücher zu drucken und zu verlegen kann ich noch nicht recht be-greifen, denn die Bücher können noch nicht so wie andere Sachen ver-braucht werden, sondern sie bleiben, was sie sind". So zeichnet derNürnberger Buchhändler Johann Jacob Bauer (gest. 176?) das eigen-tümliche Wesen des buchhändlcrischen Risikos.^ Es ist die Aufgabedes Verlegers, unter diesen Umständen jahraus jahrein für absetzbareWare zu sorgen. Nach welchen Grundsätzen verfährt er dabei, undwie kommt er in den Besitz dieser Waren? Bauer selbst steht dabeiganz innerhalb des Gesichtskreises des schriftstellerischen Angebots;ebenso z. B. der Buchdrucker Christian Gottlob Tttubcl^, nur daßbei ihm mit dcr vorausgesetzten namentlich literarhistorisch höhernBildung des Verlegers dessen Unabhängigkeit von Gutachten eineswegen des Manuskripts zu befragenden Gelehrten eine geringere ist.Wir hörten früher, wie Gelehrte, namentlich geistlichen Standesbeider Konfessionen, ihren Buchhändler brieflich auf fremdsprachlicheOriginale aufmerksam machten und sich zum Übersetzen anboten. Waswar das gegen jetzt! Aus der Leipziger Messe einHin- und Hcr-rennen" der Autoren, daß manfast Eckel und Widerwillen gegensonst sehr berühmte Namen von Gelehrten" bekommen konnte.Siemachen dem Buchhändler die Aufwartung zu Tag und Nacht; sie habenManuskripte nach der Wahl und zu Dutzenden; selbst auf RichtersCaffcchaus sah ich solche, die ihrem Herrn Verleger damit aufpaßten."""Der Zudringlichkeit schlechter Schriftsteller gar konnte man sich auf derMesse kaum erwehren.^ Aber nicht nur das; die littcrarischcn Zeit-schriften enthielten Annoncen zu Dutzenden und aber Dutzenden, in denenSchriftsteller ihre billige Übersetzerarbeit anboten und Autoren für ihreManuskripte Verleger suchten.^ Decker in Berlin schrieb 1797:Man