Wesen dcr Büchcrware. Verlagsangcbot. Verleger-Initiative; Autorenjagd. ZgZ
kann sich Key Gott vor der Schriftstcllersucht aller dieser Kerls nicht mehrretten, und sie haben so ein aufdringendes Wesen dabey, daß man vorAngst nicht weiß, wie man sie fortschicken soll"."2 Im Gegensatze zudieser einfachsten und fast passiven Stellung des Verlegers dem Verfassergegenüber steht aber diejenige, in welcher umgekehrt die Initiative vomVerleger ausgeht. Den Übergang dazu bildet gleichsam der Fall, daß dcrVerleger mit offenen Augen um sich schaut und gute Autoren an sichheranzuziehen sucht. „Wem Hab ich das übertriebene Lob in der all-gemeinen deutschen Bibliothek zu verdanken?" schreibt Tiling in Mitau 1788; „Viewcg d. Ä. und Frommann in Züllichau bombardircn michum eine Sammlung solcher Predigten".^" Oder Bahrdt hatte inseinen literarischen Briefen ein neues Lehrbuch des peinlichen Rechtserwähnt. Sogleich bat ihn Viewcg in Berlin , Bahrdts Verleger, er-gebcnst um seine gütige Vermittelung, um ihm die Ehre zu verschaffen,mit dem unbekannten Verfasser in nähere Verbindung zu kommen; esgeschah, und Viewcg erhielt den Verlag.Solche und ähnliche Fällein der mannigfachsten Gestalt haben sich natürlich sehr häufig ereignet.Betrieb dcr Verleger diese Art, Verlag zu gewinnen, aus Grundsatz undim großen Maßstabe, dann sprach man von der „Autorenjagd". Sicerforderte in erhöhtem Maße guten Blick, eine sichere Hand, aber aucheine offene Hand; Aufmerksamkeit und Rührigkeit, unter Umständenaber auch ciue gewisse Skrupcllosigkeit, Unverfrorenheit, Andringlichkeit;alles das, je später, desto mehr. Reich, der als Muster und Meistereines Autorcujägers galt, konnte es nicht schwer werden, Wieland, derunter der Erbärmlichkeit der schweizerischen Honorar- und Censurver-hültnisse seufzte, für sich zu gewinnen, und der natürliche Unterschiedder Lage eines Autors bei einem Schweizer und einem guten Leipziger Buchhändler war so groß, daß ein solcher Übergang einen üblen Bei-geschmack gar nicht haben konnte. Als nach Reichs Tode der Weid-mannschcn Handlung von Göschen Wieland, und Göschen von CottaSchiller weggeschnappt wurde, da war die Sache schon schwieriger; dieWeidmannschc Handlung wehrte sich verzweifelt, und Göschen machteCotta eine ganz entsetzliche und höchst peinliche Scene. „Allen Truckernund Verlegern . . verbotten . ., daß keiner dem andern seine Scribentcnund Tutores abspanne, zu sich ziehe, oder jhre künsftige monurnenw,durch Anbietung eines höhern pistii oder sonsten . . an sich zu bringen