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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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S. Kapitel: Der Büchermarkt.

unterstehe, bey . . einer Straff nach ermessung" (Frankfurter Buch-druckerordnung von 1660)! Campe trug im Jahre 1785 Moritzden Verfasser derGötterlehre" auf, sich von den Berliner Buch-händlern, d. h. Mylius, Unger, Maurer (auch Himburg kam aller-dings in Betracht, mit dem aber Moritz schon sowieso zerfallen war),nicht fernerübervortheilen" zu lassen und ihrDicnstjoch" abzuschütteln,und schoß ihm 150 Thaler zur Romreise vor^; Pmzel schrieb indcmselbem Jahre an Schwickert in Leipzig :Hab' ich Ihnen den Ver-lag angetragen, oder haben Sie mich von Hartknoch abwendig ge-macht?"^

Allein diese Seite der Thätigkeit des Verlegers hinsichtlich der Ge-winnung seines Verlags war eine bloß formale; es waren nicht dieWerke selbst, die von ihm ausgegangen wären. Das war auch dortnoch nicht der Fall, wo der Verleger seinen Autor in der äußern Dar-stellung oder der Materialbeschaffung unterstützte; und doch gehört auchdas hierher, wo es sich darum handelt, zu zeigen, daß der Verlegermehr war als eine Vorschuß- und Vervielfältigungsmaschine. Wirwollen nicht davon reden, daß der gute und fleißige Verleger die Kor-rekturen selber las, ehe sie an den Autor gingen.^ Lafontaine aber,der berühmte fruchtbare Romanschriftsteller, pflegte an seinen Manu-skripten wenig oder gar nicht zu feilen und verließ sich in dieser Hinsichtauf seinen Verleger Sander, dem der Verdienst des reinen Stils, hieund da sogar des Zusammenhangs mancher Lafontainescher Romane ge-hört^; Vieweg hals Bahrdt bei der Materialbeschaffung zum Ketzer-almcmach: er ließ sich von seinem Bruder in Halberstadt Anekdoten überPriester einschicken, schrieb in gleichem Sinne an alle seine Freunde undzog selber Erkundigungen ein; als Bahrdt das Manuskript gesandt hatte,wies er ihn auf mancherlei hin, was noch aufzunehmen wäre, und schlugihm vor, das Manuskript nochmals durchzugehen.^

Sander feilte Romane, Vieweg half bei der Materialbeschaffungvon Almanachen : bei gelehrter Litteratur hätte natürlich Stilisierung,Herstellung des Zusammenhangs, Beschaffung des Materials Sache desVerlegers weder sein können, noch sein dürfen. In unvergleichlich höhermMaße war es nun eben derselbe Umstand: nämlich die erstaunliche Ver-änderung in der Intensität und Qualität des litterarischen Bedürfnisses,welcher jetzt die eigentliche Buchhändlerunternehmung üppig emporschießen