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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Verleger-Initiative.

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ließ. Bon hier griff aber die eigene Forderung des Buchhandels raschauf die Thätigkeit auch der eigentlichen Gelehrten über nur in einemneuen Sinne, dem einer von der Initiative des Buchhändlers geleitetenAusbreitung ihrer Schätze und Kenntnisse in immer breitere Kreise.

Es ist bemerkenswert, mit welcher Stärke und in welcher Tiefesich der Buchhandel dieser seinen neuen Aufgabe in denjenigen seinerVertreter, welche sich mit seinen Zeitproblemen am lebhaftesten beschäf-tigten, bewußt war. Der Buchhändler, sagte Bensen (1795), kann auskeine Weise alsbloßes Werkzeug, als eitler mechanischer Handlangerder Gelehrten leben und handeln"; als einfreyer Mann muß er sichseinen eigenen Gcschäftskreis so bilden und begränzen, daß er, so wieder Gelehrte in dem seinigen, seiner eigenen Vernunft und Überzeugungfolgen, daß er aus eigenem Nachdenken und nach Gutdünken seine Arbeitunternehmen und sich und seinen Mitmenschen aus freyer Entschließungdienen und nützlich werden kann". Nichts kann und darf ihn zwingen,bloß sklavische geistlose Geschäfte zu übernehmen, bloß ein- und auszu-handeln". Er hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht,zu wissenund zu wählen, was er davon ein- und aushandeln will". Der Ver-leger ist weder bloßer Händler, noch bloßer Mandatar, Geschäftsträger.Die Bedürfnisse, die er erfüllt, sind von geistiger Art; und auf ihnkommt es an, welche Bedürfnisse er befriedigen will.Versteht sich,daß er in den Gelehrten und Künstlern gehörige Gehilfen dazu finde;allein es wird auch, was die anbelangt, vieles von ihm abhängen: erkann sie für die Bedürfniße, die er zu befriedigen gedenkt, arbeitenlaßen", er muß den Gelehrten diegehörigen Winke" geben können,wiediese oder jene Lücke in der Litteratur auszufüllen ist, oder irgendeinem Mangel geholfen werden kann", er kann die angebotenen Werkenehmen oder abweisen,ändern und zweckmäßiger bilden laßen. Aufihn also hat die Menge, die die Bedürfniße hat, denn doch zunächst zusehen . . Denn der Schriftsteller für sich allein erreicht ihre Bedürfnißeimmer nur durch die Vervielfältigung vermittelst des Drucks; und wenndieser Druck durch Veranstaltung des Buchverlcgcrs, auf seine Rechnung,und durch seine eigne frcye Unternehmung geschieht, erreicht er sie bloßso, daß der Verleger uud sein Wille, weniger der Schriftsteller, verant-wortlich wird". Die Buchhändler, so redet Bensen von der Zukunft,die er kommen sieht, werdendie am sichersten wirkenden Mittel kennen,