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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt,

UM selbst Gelehrte zu guten Zwecken zu leiten, oder den furchtsamenund mutlosen aufzumuntern, einen schönen Plan, der, wenn er gut aus-geführt wird, sehr viel Gutes hervorbringen kann, nicht bloß anzufangen,sondern sie werden ihm auch selbst Regeln an die Hand geben, aufwelche Art er am besten zur Wirklichkeit gebracht werden kann durchihre bescheidenen Zweifel und gegründeten Einwürfe werden sie bey denGelehrten neue Ideen erwecken, und so seine Vorschläge berichtigen undzu einer gewissen Vollkommenheit erheben". ^ Wilhelm Fleischernannte (1791) den Buchhändler geradezugleichsam den Direktor derLitteratur", der die Kräfte der Gelehrten dahin leiten sollte, wo sie amnützlichsten sind und sich am wirksamsten zeigen können, der durch seineEinsichten und Kennwisse im Stande sein müßte, mehrere Gelehrte zueiner einzigen großen littcrarischcn Unternehmung so zu vereinigen, daßvermöge ihrer gemeinschaftlichen Bemühungen ein zweckmäßiges, wohlge-ordnetes Ganze daraus entsteht.Wie kann der Gelehrte, der Forscher",sagt Fleischer,dessen Augen stets nur auf einen Gegenstand gerichtetsind der vom menschlichen Leben entfernt, den Zustand desselben nurdurch Zeitungen erfährt wie kann der, sage ich, die geistigen Be-dürfnisse ganzer Länder einschen? Muß er nicht einen Mann haben,der beständig mit der Menschheit in unmittelbarer Verbindung stehet,mit eigenen Augen ihre Mängel einsehen und schikliche Mittel ihnen ab-zuhelfen angeben kann?"^ Und Nicolai (1790) sagte kurz und bündig:der Buchhändler mußUnternehmungen machen", sonst kann er seinGewerbe nicht treiben.^

Und wie es nicht an Zeugnissen der Buchhändler für die gesteigerteBedeutung der buchhändlerischen Unternehmung fehlt, so auch nicht anZeugnissen der Schriftsteller. Nach Pütter (1774) soll sich der Buch-händler dadurch verdient machen, daß er Gelehrte aufsucht und dazuaufmuutcrt, noch nicht bebaute Felder der Gelehrsamkeit, oder bebautebesser als bisher zu bearbeiten.^" Kant sagte:Ein erfahrner Kennerder Buchmnchercy wird, als Verleger, nicht erst darauf warten, daß ihmvon schreibscligcn, allezeit fertigen, Schriftstellern ihre eigene Waare zumVerkauf angeboten wird; er sinnt sich, als Director einer Fabrik, dieMaterie sowohl als die Fac,on aus, welche, muthmaslich ... diegrößte Nachfrage, oder allenfalls auch nur die schnelleste Abnahme habenwird".""