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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Verlcgcnmternehmung, Autorcngewcrbc.

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Das Lesc- und Schrcibcfcucr dcr alten Zcit glich einem langsamund gleichmäßig brennenden Feuer und das alte literarische Brenn-material klotzigen Torfstücken. Das neue Feuer knisterte, loderte, bril-lierte kräftiger; es wurde mit Holz und Kohlen unterhalten, die sichrascher verzehrten und deshalb rascher nachgeschüttet werden mußten.Der Buchhandel wärmte sich an diesem Feuer, und er beeilte sich, ihmnach Kräften neue Nahrung zuzuführen. Zunächst stellte er dein Angebotauch der minderwertigen und schlechten deutschen Originallittcratnr, vorandem Heere dcr Romane dein, was manSchofel" nannte keinerleiDamm entgegen. Heinzmann, selbst Buchhändler, hielt dem Buchhandelvor, daß an derschimpflichen Lage" dcr Littcratur der Buchhandel selberdie Hauptschuld trage: er bringt zuviel neue Artikel und gewöhnt so dasPublicum an die Sucht nach Neuigkeiten, er bringt mit viel versprechen-den Titeln oder augenfälliger Ausstattung wenig leistende Ware in Um-lauf, er bemüht sich immer weniger um den Vertrieb älterer Werke. ^Damit aber nicht genug. Bensen sagte geradezu, daß an der Vicl-schreibcrci die Buchhändler mehr Schnld seien als die Autorcu.Jenemunterten diese zum Schreiben auf . . Uuscre schönen Geister folgtenbald dem Rufe." Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hat denmodernen Schriftsteller als handwerksmäßigen und den modernen Buch-händler als spekulativen Profcssionistcn gebracht. In früherer Zeit, alsdie gelehrte Littcratur herrschte, gingen gleichsam Autoren und Verlegerjeder für sich ncbcncinandcr her, und ihr Zusammentreffen war gleichsamzufällig; der Schriftsteller war der Gelehrte in Amt und Würden; waser schrieb, das schrieb er, buchhändlcrisch nngcschcn, nebenbei; das Ge-schäft des Buchhändlers war es, seine Bücher zu vertreiben; und nochtief steckte es unserer Periode im Blute, daß es so recht und richtigsei, daß der Verfasser nicht für das Publikum und nicht für den Buch-händler, sondern für sich oder die Wissenschaft schreibe und deshalb aucheigentlich überhaupt kein oder so gut wie kein Honorar zu beanspruchenund zu erhalten habe.Man mag immerhin sagen, ein Arbeiter istseines Lohnes Werth", schreibt ein Buchhändler zu Ende des 18. Jahr-hunderts,so trifft es doch da nicht zu, wo höhere Zwecke alles be-stimme», denn die Arbeiten des Geistes gehören nicht nur den Zeit-genossen, sie sollen auch der Nachwelt dienen, nnd kein Geldpreis machtden Werth eines guten Werks egal. Das Eigcnthum des edlen Schrift-