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5. Kapitel: Der Büchermarkt.
stcllcrs bleibt also sein und ist unveräußerlich; was er an Honorar vomBuchhändler erhält, ist nur ein Unterpfand und ein Kennzeichen, daßer ihm auf eine limitirtc Weise die Edirung davon überlassen habe."Alle guten Schriftsteller: die Gellert, Rabcncr, Eramcr, Spalding,Sulzer, Weise, Moser, Jerusalem , Lessing, Mendelssohn, sie schriebenbloß zu ihrem Vergnügen in ihren Erholungsstundcn. „Ein fein fühlenderMann empfindet allemal etwas Beschämendes, wenn er für seine Geistes-produkte . . . Geld annehmen soll, uud nur bei wirklicher Armuth undbei einer weniger feinen Organisation kann man es als einen wirklichenNahrungszweig ansehen."^ Jetzt —: ein schriftstellerisch-buchhündlerischcsGewerbe! „Ehemals machten sich achtungswürdigc Schriftsteller ein Be-denken, von Buchhändlern Bezahlung für ihre Manuskripte anzunehmen,ja sie gaben in vielen Fällen noch Geld dazu." So sei es noch jetztin andern Ländern, so bei den Gelehrten in Italien und Frankreich .Ein ultramontaner Skribent habe, als er hörte, daß in Deutschland die„elendeste Skartekc" bezahlt werde, ausgerufen: „0 telies Kei-llmnig,!"(Das „feliee" kommt dabei wohl auf Rechnung des deutschen Rcichs-buchhändlers und nicht auf die des ultramontancn Skribenten.) InDeutschland sei jetzt die Hauptmasse der Schriftstcllcrwclt so wenig „delikatund fein", daß sie „nicht um die Ehre — sondern um den Lohn schrei-ben".^ Jetzt, während auf wisseuschastlichcm Gebiete die besten Schrift-steller trotz der gesunkenen Kaufkraft des Geldes noch immer mit 1 Louis-dor (5^/2 Rthlr.) oder 1 Carolin (6^/4 Rthlr.) für den Bogen zufriedenseien, wie vor einem halben Jahrhundert, würden besonders die beliebtenDichter und Nomnnschreiber von den Buchhändlern „gleichsam mit Goldeverfolgt".^ Schon dadurch wurde der Buchhändler jetzt ein wichtigerMann, ganz anders als früher, daß er auch für die frei aus dem Geistedes Schriftstellers hervorgegangenen Werke von allgemeiner Absatzfähigkcitdas Mittel zum Zwecke einer Geldeinnahme war in viel höherer Bedeu-tung als früher. Er war es noch mehr für den modernen LittcratenNiedern Ranges, dessen sich der betriebsame Buchhändler bediente, umsich Artikel, von denen er sich Absatz versprach, herstellen, zusammenstellen,übersetzen zu lassen. „Sagt, weise Herren!" so konnte damals der deutscheSchriftsteller fragen, „wofür fährt denn der Minister ins Eonseil? wo-für marschiert der General auf den Exerzierplatz? wofür segelt der Admiralnach Westindicn? wofür lehnt sich der Domherr in seinen Kirchcnstuhl?