Vcrlcgcrunternchmung, Autorcngcwerbc.
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wofür stolpert dcr Beamte täglich in seine Kanzlei?"^ und auch Cella^^^und andere sahen sich veranlaßt, das Honorar besonders zu recht-fertigen. Aber was jenen Angriffen, diesen Verteidigungen zu Grundeliegt, das war die vom Buchhändler selbst unterstützte berufsmüßige Geld-schreiberei, wie sie früher unbekannt gewesen war, die geschäftsmäßigeSchreiberei von „abgesetzten Magistern, berufloscn Advokaten und Schrei-bern, müßigen Studenten" allein um des Geldes willen, dcr Ekel gegenden „Lohnscribler" namentlich von der belletristischen Spezies^", den manim einzelnen geschäftlich verwertete, und den man im ganzen verachtete.Nicolai^ spricht 1773 von dem „Verleger- und Autorengewcrbe". Dergrößte Hausen der Schriftsteller von Profession, dcr „gelehrten Hand-werker", sagt er, „treibt ein Gewerbe, so wie die Tapetenmaler oderdie Kunstpfeifer"; und er schreibt 1781^, daß diese „Büchermacherey"täglich zunehme. Wer denkt hier nicht an Bahrdt, einen der bezeich-nendsten, aber auch allerabscheulichsten Typen jener autorcnabenteuer-lichcn Zcit , der meist nur auf Bestellung des Buchhändlers — undwenn es ein Wucherer in Wien war — schrieb? Ausführlich hat sichNicolai hierüber im Jahre 179», und nicht auf den Seiten eines Ro-mans oder einer Reiscbeschreibung, sondern in einem der Gesetzgebungs-kommission des preußischen Landrechts erstatteten sachlichen Gutachten^"geäußert. „Es gicbt sehr viele Schriften", heißt es darin, „wo derVerleger selbst eine Idee hat, und zu dieser Idee sich des Schriftstellersnur als eines Werkzeuges bedient . . ., und wo es immer von ihmabhängt, durch wen er die Idee ausführen läßt". Er führt als Bei-spiele Spencrs historischen Almanach und Petit Schönes „Tlcmtlaquantlapatli" in Berlin, Grattenauers Zcitungslcxikon in Nürnberg ,Gebauers (Halle ) „Allgemeine Welthistorie", in Berlin Voß' Magazinübersetzter Ncisebeschrcibungen und Mylius' Sammlung von Auszügenaus Reiscbcschreibungen an: „Sie wühlen dazu die Rcisebcschrcibungenund die Gelehrten, die sie bearbeiten". Weiter gehörten hierher „alleZeitungen". Er berichtet, daß dabei „unzähligemahl" der Buchhändlerdem, dem er seine Idee auszuführen gebe, zur Ausführung viele Hilfs-mittel darbiete. „Ich habe im Sinn, eine Anleitung für Reisende imVerlag zu haben. Schon seit einigen Jahren lasse ich dazu von Reisendenmit vielen Kosten Beschreibungen, Lcmdcharten, Postberichtc u. dcrgl.sammeln. Ich werde die Ausführung dieser Idee irgend jemand in die