310 5. Kapitel: Der Büchermarkt.
Wie jederzeit, so gab cS damals Verleger, die der „Göttin Kloakine"nicht nur hie und da, sondern gewerbsmäßig dienten, wie z. B. der„Zotenhnndler" Sam. Friedrich Riedel in Schweinfurt . ^ E^c„nachdenkliche" Bemerkung — um im Stile älterer Zeit zu reden —macht gelegentlich der „Allgemeine literarische Anzeiger": „Fast in allengroßen Städten, besonders wo Bücher Verbote cxistircn, und das uiti-mur in vsMum Statt findet, treiben einige Buchhändler mit dergleichen^unsittlichen^ Büchern einen schändlichen Wucher. Sic kaufen solche oftwohlfeil ein, verstecken sie in den äußersten Winkeln ihrer Magazine,und gewinnen damit einige hundert Procente".^ In früherer Zeitverbreiteten z. B. in Frankfurt a. M. gewisse Nachdruckcr alle obscönenfranzösischen Romane aus Frankreich und Holland.^ Veranschaulichenwir diesen Betrieb in seiner derbsten und in seiner feinsten Ge-staltung durch zwei Anzeigen. Heinrich Müller in Leipzig legte imJahre 1799 seinen Rechnungen folgende gedruckte Nachricht bei: „Zu-gleich mache ich Ihnen bekannt, daß die neue Auflage von ^moi's ex-perimental-physikalischem Taschen-Buche. 1. Bündchen. Mit 17 feinilluminirten Kupfern unter dem Titel: Papiere aus I,M<1a,ium6'n8Brieftasche, so wie auch die neue Auflage: Reisen ins gelobte Land, er-scheinen wird u. s. w. — Jedoch muß ich um ihre dießfalsige Bestellungenin verschlossenen Briefen bitten"."" Die andere Anzeige ist überschrieben:„Ankündigung für grosse Herren und Kunstliebhaber", und zeigt an,daß soeben ein sehr interessantes Werk fertig geworden uud in allenBuchhandlungen Deutschlands zu haben sei: „Gallerie griechischer weib-licher Schönheiten in ihren reizendsten Attitüden . . Erste Sammlung. . Tübingen bei W. Friedrich Hasclmayer. 1801. Preis 3 Carolin".„Bei den Griechen", heißt es, „sah der Künstler die nackten Formender edelsten Jugend beider Geschlechter . . . indem . . . falsche Begriffevon Anstand gänzliche Verhüllung des Körpers nicht nothwendig machten.Die schönsten der griechischen Mädchen . . hielten es sich zur Ehre, alseine Veuus . . der Gegenstand öffentlicher Verehrung zu werden". Undso ist es Zweck der Gallerie, „die weibliche Schönheit in ihren reizend-sten Situationen vorzustellen . . Unter dieser vollgewölbtcn Brust meintman, müsse ein lebendiges Herz schlagen, und diese Arme müssen sichzur Umarmung öffnen . . . Noch möchten wir sie zum Aufhängen vor-züglich für Zimmer bestimmen, in welchen der Mensch dem Gotte