Spekulation auf die „Masscuinstinlte".
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Hymen opfert . . Sollte nicht auch der Mensch Grazien bilden können,wenn er die Venus Urania gesehen hat?"^ Wenn es aber gilt, diesenDingen, die ja immer vorhanden gewesen sind und immer vorhandensein werden, ihre geschichtliche Eigentümlichkeit abzugewinnen, so ist esdie, daß jetzt auch hier ein neues Bewußtsein auftritt; nicht der altbe-kannte Kampf der Behörden, sondern ein Kampf der Gesellschaft unddes Buchhandels selbst, wie er seitdem nicht wieder aufgehört hat. ImJahre 1787 erschien ein „Aufruf an Deutschlands Biedermänner", dervorschlug, vermögende Leute sollten einen Subskriptionsvcrciu gründen,der in jeder großen Stadt einen Buchhändler damit beauftragen sollte,alle sittenlosen Schriften zusammenzukaufen; sie sollten aus dem Sub-skriptionsfond bezahlt, an eine Kommission abgeliefert und von dieserverbrannt werden. Campe schlug um dieselbe Zeit die Errichtungeines Buchhändlcrtribuuals vor; Perthes (1794) erklärte das für nichtnur unausführbar, sondern, als eine neue Art Ccnsur, gefährlich, undsah die einzige Rettung in der Verstärkung der ehrenhaften Gesinnung.Auch im „Reichsauzeigcr" vom Jahre 1803 (Nr. 56) z. B. findet sichein „Aufruf zu einer gesellschaftlichen Verbindung, der Fabrikation unddem Dcbit schlüpfriger Bücher zu steuern".
Neben der Übersetzung und der Kompilation, der Kompilation inder mannigfachsten Gestaltung und in Verbindung ihrerseits wiederummit der Übersetzung, erstreckte sich die Unternehmung des Verlegers na-türlich auch auf die deutsche Originalproduktion. Manches bessere undgute Buch mag auf Anregung eines Verlegers erstanden sein; Bogatzkys„Goldenes Schatzknstlcin", das im Jahre 1771 auf Anregung derBuchhandlung des Hallischcn Waisenhauses entstand, ist noch am Endedes 19. Jahrhunderts neu ausgelegt worden.^ In der Hauptsachehandelte es sich aber hier um eine eilfertige Fabrikation von Geschichten,Romanen, Mordgcschichtcn, „zuvcrlässigcu Nachrichten von Dingen dieman nicht gesehen hat, Beweisen von Dingen die man nicht glaubt,Gedanken von Sachen die man nicht versteht"; eine Tauschgutfabrikationnach der Elle durch Jncognito-Autorcn im Auftrag und nach der Launedes Buchhüudlers. Der Leipziger Magister im „Sebaldus Nothanker"erzählt von einem Buchhändler, der in seinem Hause an einem langenTische zehn bis zwölf solcher Autoren sitzen habe und jedem sein Pensumim Tagclohn abzuarbeiten gebc.^""