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S. Kapitel: Der Büchermarkt.
In der deutschen Originallitteratur war es namentlich das Gebietder Almanache und Taschenbücher, des Journals und der Zeitung, aufdem sich der Unternehmungsgeist des Buchhändlers tummeln konnte undin der That tummelte.
Zeitung und Journal!^ Mußten sich im „papiernen Zeitalter",im „Zeitalter der Makulatur" und des „Broschürenhandels" nicht ge-rade hier bemerkenswerte Wandlungen abspielen?
Der Charakter der Zeitung blieb in wesentlichen Zügen allerdingsnoch ganz der der vergangenen Zeit. Der Inhalt blieb im wesentlichenein rein berichtender. Über öffentliche Verhaltnisse des eigenen Gebietesmußte die größte Vorsicht beobachtet oder durfte überhaupt nichts ge-bracht werden. Die Kölnische Presse wurde 1794 wiederholt erinnert,„über die Grenzen der einem Zeitungsschreiber bloß zustehenden Gcschichts-crzählung" nicht hinauszugehen; die „einzige Bestimmung" der Zeitungen,sagt der leitende Redakteur der „Wiener Zeitung " im Jahre 1795, seidie, dem Publikum „Weltbcgebcnheiten vorzulegen", und das einzigeVerlangen des Publikums, „nur was vorgeht zu erfahren". Die Leip-ziger Zeitung durfte seit 1750 überhaupt keine Nachrichten aus Sachsenmehr bringen; selbst der „Hamburgische unparteiische Corrcspondent" unddie „Hamburgischc Neue Zeitung" schweigen über die AngelegenheitenHamburgs selbst fast vollständig. Die Zcitungscensur war in England schon im Jahre 1694 abgeschafft worden, wurde in Schweden 1766,in Dänemark 1770, in den Vereinigten Staaten 1787, in Frankreich zuerst 1791 (endgültig dann 1830) abgeschafft; in den meisten deutschenGebieten dagegen wurde sie beibehalten oder neu eingeführt, und vorallem herrschte fast allgemein jene engherzige und ängstliche Preßpolizei,wie wir sie für die vorangehende Zeit geschildert haben. Die Nach-richtenvcrmittelung war noch eine langsame, jedenfalls wurde auf Schnellig-keit des Nachrichtendienstes kein besonderer Wert gelegt; das Stück der„Prager Post-Zeitungen" vom 11. Juni 1744 enthält Berichte ausWien vom 4., aus Köln vom 2. Jünner, aus Haag vom 30., Paris und London vom 29., Rom vom 21., Madrid und Rimini vom 17.,Stockholm vom 15., Petersburg vom 10., Lissabon vom 3. Dezember^;das Wiener „Diarium" bringt in der Mitte des 18. Jahrhunderts ineiner Nummer vom 27. September einen Pariser Brief vom 6., einenHamburger vom 13., einen Kopenhagener Brief vom 1. September, einen