bürgerlichem Kampfe gegen die Schwärmerei die deutsche Sprache dasWort „verbiestert" („verbiesterte Genies") verdankt.
Dieses Blatt war aber auch schon keine „moralische Zeitschrift"im alten Sinne mehr; sie erweiterte deren Grenzen, schloß sich an dieAufklärer und Rationalisten an und machte sogar Strcifzüge in dasGebiet der Politik. Eine andere Gattung periodischer Littcratur hattesich inzwischen ganz durchgebildet und gewann bald eine ungeheure Be-deutung; die tittcrarischcn Zeitschriften. Au der Schwelle dieses neuen Auf-stiegs standen die zu Beginn der 1740er Jahre gegründeten Zeitschriften derFehdczcit Gottscheds und der Schweizer, Johann Joachim Schwades Leip-ziger „Belustigungen" und die Schweizer „Sammlung kritischer, poetischerund anderer geistvoller Schriften". Die sogenannten „Bremer Beiträge"(in denen 1748 die drei ersten Gesänge des „Messias" erschienen) warendie bedeutendste Erscheinung dieser ersten Vorstufe. Dann aber erfolgteeines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der littcrarischcnKritik des 18. Jahrhunderts: das Auftreten Nicolais (1733 — 1811).Im Jahre 1757 rief er, im Bunde mit Lessing und Mendelssohn , imVerlage von Gottfried Dyck in Leipzig die erste deutsche Zeitschrift großenStils, die „Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste"ins Leben. Noch gelang es ihm damit nicht, sich zum Leiter einerführcudeu kritischen Zeitschrift emporzuschwingen; schon 1759 gab er siean Christian Felix Weiße in Leipzig ab, und unter diesem sank sie aufden Standpunkt einer zahmen Farblosigkeit herab. Glänzender war derBeginn der nach Lessings Plane im Jahre 1759 begründeten „Briefe,die neueste Littcratur betreffend", aber auch sie verloren, als Lessing schon 1760 die Mitarbeit einstellte, und gingen 1765 ein. In diesemJahre begann die ganz von Nicolai selbst geplante, verlegte und geleiteteepochemachende Zeitschrift, mit der der Berliner Buchhändler für dielitterarische Kritik des Rcichschen Zeitalters dasselbe wurde, was Reichin Leipzig für den Buchhandel überhaupt war: die „Allgemeine deutscheBibliothek " (1765—1806). Nicolai sammelte dazu einen großen Kreisder bedeutendsten Mitarbeiter aller Fächer; er selbst korrigierte sämtlicheEinsendungen durch uud stimmte sie auf einen einheitlichen Ton. „DieAllgemeine deutsche Bibliothek", schrieb Biester im Jahre 1811, „warein Werk von solchem Umfange über unser gemeinschaftliches deutschesVaterland und von solchem Einfluß auf alle Provinzen desselben, wie
Geschichte des Dcutiche» Buchhandels. III. 21