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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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ö. Kapitel: Der Büchermarkt.

tristik zur Herrschaft, Schöpfungen, die nun zum Teil schon tief in das19. Jahrhundert hineintragen. Im Jahre 1785 wurde in Jena vonChristian Gottfried Schütz im Bunde mit Bertuch und Wieland dasvornehmste kritische Organ der neuen Schiller-Goethe und KantischenZeit gegründet, die Jenaische, seit 1804 HallischeAllgemeine Litteratur-zcitung", die man denCromwell der literarischen Republik" nannte^,und an der die Schiller , Kant, W. von Humboldt mitarbeiteten; im Jahre1804 trat ihr dann dieJenaische Litteratur-Zeitung" zur Seite, dcrcuSchopfer und anfänglicher geistiger Leiter Goethe war. Und wie NicolaisBibliothek, so hatte nun auch Wielands Merkur seine schonen Tagehinter sich; SchlozersStaatsanzeigen", MosersPatriotisches Archiv",GöckingksJournal von und für Deutschland" u. a. waren eingegangen.Die ästhetisch-philosophischen Ideen dienenden, die Politik grundsätzlichausschließenden littcrarisch-künstlerischen Journale freilich, die Schiller,Goethe, Schlegel neu ins Leben zu rufen suchten, waren buchhandels-geschichtlich jedenfalls vollständige Nieten. Eine Übersicht über den Bücher-markt aus dem Jahre 1797, die die litterarischen Produkte ihrer Gang-barkeit nach anordnet, setzt an erste Stelle politische Broschüren undZeitschriften: sie, sagt der Aufsatz, sind jetzt für den Buchhändler bnresGeld."" Schon Schillers Thalia" dagegen ging aus Mangel an Absatzein, und SchiltersHören" (Cotta 17951797), SchlegelsAthenäum"(Meweg in Berlin 1797 1800) und gar GoethesPropyläen"(Cotta) fand man tödlich langweilig: 1798 begonnen, betrug der AbsatzderPropyläen" Mitte 1799 erst 450 Exemplare, Cottas Verlust aberschon 2500 Gulden, und auch sie mußten im Jahre 1800 ihr Erscheineneinstellen. Schiller kündigte in denHören" die Zeitschrift einer heiternUnterhaltung und fröhlichen Zerstreuung an. Gewiß liebte man Unter-haltung und Zerstreuung, aber nur nicht eine so klassicistisch-ästhetisierende.Es waren, wie bei den Almanachen, ganz andere Untcrhaltungsschriftcn,die dem Publikum wirklichen Geuuß boten: Bertuchs Journal des Luxusund der Moden", das, 1787 begründet, vier Jahrzehnte lang geblühthat: ein mit hübschen bunten Modekupfcrn gezierter Führer durch dieSalons von Paris, London, Wien und Berlin , ein angenehmer Plaudererüber das Treiben der vornehmen Welt, die Helden des Tages, überTheater, Konzerte und sonstige Amüsements; W. G. BeckersErholungen"(Leipzig 179^1810); die bei Nicolai erscheinende Novellen-, Märchen-